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Teil 3 (1919) Beiträge zur Völkerkunde des Ost-Mbamlandes / unter Mitarb. von Theodor Mollison ... von Franz und Marie Pauline Thorbecke
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dem Knaben ein Feuer entzündet, dessen Rauch die Wunde beizt und trocknet, bis die Blutung auf hört. Um den Penis in horizontaler Lage zu halten, wird um ihn eine Art Suspensorium aus Holzstäbchen gebunden, das nur beim Urinieren abgelegt und so lange getragen wird, bis die Wunde gut ausgeheilt ist, was in höchstens zwei Wochen der Fall sein mag.

Nach der Beschneidung werden kleine Kinder in Tücher gehüllt, damit nicht Fliegen an die Wunde gehen; etwas größere Knaben tragen in dieser Zeit nicht ihren gewöhnlichen, zwischen den Schenkeln hindurchgezogenen Schurz, sondern ein herabhängendes Tuchwie Weiber. Der Vater baut dem Be­schnittenen hinter dem Haus aus Gras eine kleine Bienenkorbhütte, in der er sich Tag und Nacht aufhält; seine Mutter und seine Gespielen achten auf ihn, er läuft aber schon von selbst lücht weg, weil die Wunde schmerzt. Während dieser Zeit wäscht der Vater das Kind morgens, die Wunde auch abends noch einmal, während sonst die Sorge für den Körper des Kindes ganz der Mutter obliegt.

.Irgendwelche Festlichkeiten oder Zeremonien der Familie oder des Dorfes sind mit der Beschneidung nicht verknüpft, sie ist lediglich eine Privatangelegen­heit, um die sich sonst niemand kümmert, und wird als rein hygienische Maß­nahme betrachtet; der Beschnittene soll beim Geschlechtsverkehr Krankheiten weniger leicht erwerben. Die Vorhaut wird abgeschnitten,weil sie zu nichts gut ist, und nach der Operation ohne weiteres vergraben. Üble Folgen der Be­schneidung sollen nur Vorkommen, weim das Suspensorium nicht oder nicht richtig getragen wird. Unsre Gewährsmänner behaupteten, daß der Penis dann krumm werde und zum Geschlechtsverkehr untauglich; der Häuptling von Ngambe habe solch einen Menschen als Wächter bei seinen Haremsweibern.

Von Kastration hörten wir nur in einem Fall berichten: ein Häuptling von Di- tam, der etwa bis 1900 sein Schreckensregiment geführt hat, soll junge Männer, die seinem Harem gefährlich zu werden drohten, gefangen, kastriert und gemästet haben, um sie dann bei großen Gelagen mit seinen Freunden aufzufressen. Wie­viel an diesen Erzählungen wahr und wieviel auf gebauschtes Gerücht ist, läßt sich heute natürlich nicht mehr entscheiden.

Geburtshilfe und Heilkunde

DieVorgänge bei Schwangerschaft undGeburt sind Geheimnis der Frauen, und da wir keine Tikar-Frau trafen, die Pidgin-Englisch verstand, konnten wir ganz unmittelbare Auskünfte von Frauen nicht erhalten, wir erfuhren nur das, was die verheirateten Männer von ihren Frauen gehört hatten; denn völliges Still­schweigen beobachtet doch keine ihrem Mann gegenüber. Es scheint, daß sich die Männer über die Dauer der Schwangerschaft nicht klar sind; ein Mann, dem wir im Scherz sagten, er solle doch sorgen, daß er ein Kind habe, wenn wir in einiger Zeit wieder desselben Weges kämen, gab uns zur Antwort:das dauert doch viel zu lange, bis man ein Kind machen kann, fünf Monate, sechs Monate, sogar sieben Monate. Vielleicht erfahren eben die Männer von der Schwanger­schaft erst, wenn der Zustand am Körper der Frau sichtbar wird.