Zeitschriftenband 
Teil 3 (1919) Beiträge zur Völkerkunde des Ost-Mbamlandes / unter Mitarb. von Theodor Mollison ... von Franz und Marie Pauline Thorbecke
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quiekung bringt. Während unsrer Wanderungen haben wir nur einmal erlebt, daß unsre Leute unterwegs badeten, und auch dies eine Mal nur auf unsern Vor­schlag hin; ein wunderschöner kleiner Wasserfall im dichten Wald weckte in uns die Lust, die Leute sich im Wasser bewegen zu sehen. Niemals haben sie von sich aus unterwegs gefragt, ob sie baden dürften, während das stets die erste Bitte nach der Ankunft im Lager war.

Wie iibeil bei Negern beobachtet man auch beim Tikar sorgfältige Zahn­pflege. Natu einer größeren Mahlzeit werden die Zähne mit einem etwas aus­gefaserten Holzstückchen geputzt und gebürstet und durch Spülen alle Speise­reste entfernt.

Finger- und Fußnägel werden mit dem Messer geschnitten; Häuptlinge, reiche Großleute und ihre bevorzugten Weiber lassen häufig die Fingernägel einen Zentimeter über die Fingerkuppe hiqaus wachsen, zum Zeichen, daß sie keinerlei Arbeit mit ihren Händen zu verrichten brauchen. Dieselbe Sitte herrscht, aller­dings oft ins Groteske übertrieben, im Hochland westlich des Mbam 1 .

Beschneidung

Als eine Maßnahme zur Reinlichkeit betrachten die Tikar die bei jedem Knaben ausgeführte Beschneidung, die meist mit der Zeit der Entwöhnung zusammen­fällt, da die Milchnahrung der Wundheilung nicht günstig sein soll. Aus diesem Grunde wird als Zeitpunkt der Operation die Regenzeit, der Monat des Reifens des Mais gewählt, damit das Kind mit fein zerriebenem und dann getrocknetem frischem Mais ernährt werden kann. Niemals wird die Beschneidung in der Trockenzeit ausgeführt, wohl wegen des Staubes, der die Wunde verunreinigen könnte. Um den Knaben zu entwöhnen, bestreicht die Mutter die Brust mit einem bittern Pflanzensaft, damit er sie ablehnt. Ganz selten kommt es vor, daß ein Knabe nicht im frühen Kindesalter beschnitten wird. So erzählte uns einer unsrer Diener, daß sein Vater bei ihm die Beschneidung nicht habe vornehmen lassen, aus welchem Grund, wisse er nicht. Er und ein andrer Junge, dem es ebenso gegangen, wurden beim Baden von ihren Kameraden ausgelacht, weil sie nicht beschnitten waren; sie gingen deshalb im Alter von vielleicht 8 oder 10 Jahren freiwillig zum Operateur, um sich beschneiden zu lassen, weder die Mutter noch ein älterer Mann hatten sie je auf die fehlende Beschneidung aufmerksam gemacht.

Einzelne Männer stehen im Ruf besonderer Fertigkeit im Beschneiden; zu ihnen bringt der Vater seinen kleinen Knaben, setzt sich hinter ihn auf den Boden, nimmt ihn zwischen die Knie und drückt mit seinen Füßen die Füße des Kleinen so weit wie möglich auseinander; die Hände hält er ihm fest auf dem Rücken zu­sammen, so daß sich der Junge nicht wehren kann. Der Beschneider zieht die Vorhaut 1-2 cm weit über die Eichel herüber, hält sie mit Daumen und Zeige­finger der linken Hand fest und schneidet sie mit einem Schnitt des scharfen Rasiermessers ab. Die Wunde blutet stark. In einem kleinen Erdloch wird vor

* Vergl. 1. Teil, S. 11.

2 Thorbecke., HooMnnd von Büttel-Kamerun III