Zeitschriftenband 
1 (1914) Landeskundlicher Teil
Entstehung
Seite
117
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Landeskundlicher Bericht der LogonePama-Grenzexpedition.

Von Hauptmann Eduard Bartsch.

Das Laka-Land.

Unter den Begriff ,,Laka-Land fasse ich das Gebiet zusammen, das sich zwischen dem 7. und 9. Breitengrad östlich der Grenze Alt-Kameruns bis an den Nana-Barja und Bahr Sara ausdehnt.

Es stellt im allgemeinen eine nach Norden und Osten zu flach abfallende Platte von 400 bis 500 m absoluter Höhe dar, die nur im Westen und Sikl- wcsten einige höhere Bodenerhebungen besitzt. Bei Kundai, sowie in dem etwas östlich gelegenen Ku- mana, sind schroffe, domartige Granitklippen von relativ 150 bis 200 m Höhe geblieben, aber an ihnen zeigt sich schon in den sie umgebenden Trümmer­haufen der Einfluß der Atmosphärilien, besonders der Insolation, durch die gewaltige Felsmassen all­mählich in Schuttfelder verwandelt werden.

Im Südwesten reichen die Ausläufer des Jade- Gebirges in das Land herein: die Berge von Baibo- kum (Bumbabal) und der weithin auffallende Gipfel des Fai-Berges.

Der Boden besteht zum größten Teil aus frucht­barem, grauem Lehm, der durch eisenhaltige Bei- ! mengung häufig rötlich gefärbt ist.

Nur selten trifft man auf ganz unfurchtbare Lateritflächen, kahle Felsplatten, auf denen in spär­licher Grasbewachsung runde, durch Verwitterung entstandene Lateritkugeln Lavabomben ähn­lich zerstreut liegen.

Das Nord- und Ostgebiet des Landes ist reich an Eisen, das von den Eingeborenen im Tagebau gewonnen und in einfachen Hochöfen verhüttet wird. Andere Erze scheinen nicht vorhanden zu sein, wenigstens ist den Eingeborenen nichts davon bekannt.

Dagegen soll in den Bergen von Baibokum Graphit Vorkommen. Die im Töpferhandwerk über­aus geschickten Bewohner des Landes wurden häu­fig im Besitz großer Graphitkugeln angetroffen, mit deren Hilfe sie ihre Erzeugnisse farbig verzieren. Als Herkunftsort geben sie die genannten Berge an, deren zackige Gipfel weithin sichtbar sind.

In die flache Platte des Landes haben große Flüsse sich tief eingeschnitten und ihm mit ihren Zuflußsystemen eine Gliederung gegeben. Alle diese Wasser entströmen den Jade-Bergen und fließen dem Tschadsee-Becken zu: der westliche

Logone und der Pende, die sich etwa bei 9 0 Nord­breite zum Logone vereinigen; der Nana-Barja, der mit dem größeren Uam zusammen den Bahr Sara bildet.

Der westliche Logone und Pende haben den Charakter echter Steppenflüssc. Sie führen während und kurz nach der Regenzeit gewaltige Wasser­mengen zu Tal, ohne indes erhebliche Überschwem­mungen anzurichten. In der Trockenzeit verlieren sich diese Wasser, der seitliche Zufluß hört gänzlich auf, und selbst der Pende geht bis auf einige dünne Wasseradern zurück. Der westliche Logone behält zwar auch in der Trockenzeit noch immer eine statt­liche Wassermenge, aber diese ist doch derart ver­mindert, daß die Schiffbarkeit (abgesehen von Ein­geborenenkanus) für einige Monate aufhört.

Der Pende kann in der günstigen Jahreszeit etwa bis Doba mit Stahllastbooten und bis Gore mit Eingeborenenkanus befahren werden. Eine geschlossene Waldumsäumung fehlt diesen Flüssen, jedoch finden sich an ihnen vereinzelt kleinere, dicht verwachsene Waldstücke. An ihren Zuflüssen sind zusammenhängende Galeriewälder häufiger, aber nicht die Regel.

Der Nana-Barja hat einen anderen Charakter als die eben erwähnten Flüsse; er hat vielmehr das Aussehen eines Bergflusses, der in reißendem Lauf über Felsen dahinströmt. Auch führt er, ebenso wie der PTam, das ganze Jahr hindurch eine größere Wassermenge in seinem Bett zu Tal. Für Schiff­fahrt kommt er, seiner vielen Schnellen wegen, nicht in Frage; nach Aussage der Eingeborenen sollen ihn die Franzosen einmal bis in die Gegend von Ma- konda (7 0 37') mit einer Dampfbarkasse befahren haben.

Die Vegetation des Landes schließt sich eng an die des benachbarten Deutsch-Adamaua an. Sic ist