Zeitschriftenband 
1 (1914) Landeskundlicher Teil
Entstehung
Seite
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Glossina palpalis und Anopheles sind über das ganze Gebiet verbreitet. Als lästige Quälgeister werden auch die unzähligen Bienen und Sand­fliegen, die auch durch das kleinmaschigste Mos­kitonetz dringen, empfunden. Ferner zwei Arten von Ameisen, von denen eine ihren Aufenthalt auf Zweigen und Blättern wählt. Bei der geringsten Berührung fallen die Tiere herunter und setzen als­bald ihre Kauwerkzeuge in Tätigkeit. Eine andere, die Treiber-Ameise, zieht auf der Erde in vielen armdicken Schwärmen daher. Führt sie ihr Weg in das Zelt, so helfen alle Vernichtungsmaßregeln, wie Feuer, Petroleum, nichts; man muß das Zelt abbrechen und an anderer Stelle aufschlagen.

Das Auge wird entschädigt durch die zahl­reichen, schönen Schmetterlinge, die sich in den ge- Avagtesten Farbenmustern präsentieren. Ihren Auf­enthaltsort nehmen sie meistens an nicht gerade appetitlichen Gegenständen, wie Losung und ver­faulendem Fleisch. Besonders schön ist der Papilio Antimachus, ein Riesenfalter, der im Fluge einer Schwalbe gleicht.

Der Bodinge hat bei Bana eine Breite von 25 m und eine Tiefe von 2 bis 3 m. Seine Schiffbarkeit für Kanus beginnt 20 km westlich von Bana und endet bei Kinga ungefähr drei Stunden unterhalb Bakota, wo Stromschnellen dieselbe auf 45 km Länge unterbrechen. Das Wasser ist klar, aber durch mas­senhafte Wasserpflanzen und hineingestürzte Baum- I Stämme versperrt. Die engen, in die Vegetation gehauenen Durchfahrten sind so niedrig, daß die Boote keinerlei Aufbau zum Schutz gegen die Sonne gestatten. Die schmale Fahrrinne ist von seiten der Forestiere geschlagen worden, mit ge­ringer Mühe und Arbeit ließ sie sich für den Barkassenverkehr erweitern. Nördlich des Bo­

dinge führt ein gut geschlagener und instand ge­haltener Fußweg, der auch mit Reittieren zu be­nutzen ist, von Bana über Dele-Lamba nach Gundi. Er kommt von Nola, 4 km nordwestlich Bana führt er durch das Dorf Kamba-Oro. Diese Orte sind sämtlich bewohnt, ihre Einwohnerzahl beträgt schätzungsweise: Kamba-Oro 90, Bana 70, Dele 150, Lamba 100 Köpfe. Sie unterstehen einem gemeinsamen Oberhäuptling, der in Dele seinen Wohnsitz hat. Gundi ist wieder direkt am Bo­dinge gelegen, der hier bereits eine Breite von 70 m und eine Tiefe von 4 m hat. In Gundi mögen 200 Personen leben, hier befindet sich auch eine Faktorei der Forestiere. 14 km westlich von Bakota fließt der Bodinge in den Mbere, der bedeutend breiter und tiefer ist und freies Fahrwasser hat. Dicht oberhalb Bakota, das auf französischer Seite gelegen ist, ebenfalls Sitz der Forestiere, findet der Zusammenfluß des Mbere mit dem Lobaje statt. Von Bakota führt auf französischem Gebiet ein gutcr Fußweg über Kinga, Bangandu, ein großer stark be­völkerter Ort, Zomia nach Loko. Von Zomia an ist der Lobaje wieder schiffbar, und zwar für Fahr­zeuge bis zu 80 cm Tiefgang zu jeder Zeit.

Die Bedeutung des Ssanga-Zipfels liegt weni­ger auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Entwick­lungsmöglichkeit, die infolge der Schlafkrankheit, der geringen Bevölkerung und der immer wieder­kehrenden Überschwemmungen beschränkt bleiben wird, als in den Zufuhr- und Abfahrtsstraßen, die wir durch den Ssanga, Ubangi, Kongo, nebst ihren vielen schiffbaren, weit verzweigten Nebenflüssen gewonnen haben. Durch sie werden die zweifels­ohne reichen Flinterländer, mit ihren vielen, handel- und gewerbetreibenden Bewohnern dem Verkehr angeschlossen und erschlossen.

Der Ubangi-Zipfel.

Von Hauptmann a. D. Hans v. Ramsay. (Mit einer Skizze.)

Der Ubangi-Vorsprung, durch den das deut­sche Gebiet direkt an diesen mächtigen Nebenfluß des Kongo heranreicht, wird begrenzt im Süden von dem Lobaje und Bodinge, im Westen durch den Ssanga-Mambere von Nola bis Carnot, im Norden durch den 5. Breitengrad (11. Br.), der fast genau mit einer Linie Carnot-Pama-Ouelle zusammenfällt, im NO. von dem Pama, dem von breiten Sümpfen

begleiteten Ngabo (Kabo) und dem Lessc-Fluß fast bis zu seiner Mündung in den Ubangi, und im O. von dem Ubangi selbst auf eine Strecke von 6 bis 12 km. Eine Einigung über die Länge der an Deutschland fallenden Uferstrecke am Ubangi ist bis jetzt von den Grenzkommissaren nicht erreicht worden. Fest steht aber, daß mindestens 6 km Ubangi-Ufer auf jeden Fall deutsch werden, und