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1 (1914) Landeskundlicher Teil
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Das Gebiet zwischen dem Ssanga und dem Grünen Likuala.

Von Leutnant Willibald Lüders.

Die Parklandschaft zu beiden Seiten des Grünen Likuala und des unteren Baji.

Der Grüne Likuala durchfließt in überaus zahl- j reichen großen Windungen eine sehr fruchtbare, wildreiche Parklandschaft. Der Urwald tritt von Mossenghe aufwärts nur selten an den Fluß heran, im allgemeinen begleitet er die Ufer auf i bis 3 km Entfernung. Die Waldbedeckung setzt sich höchst­wahrscheinlich ohne Unterbrechung bis an den j Ssanga hin fort, ausgenommen auf der Flußstrecke j vomKanal 1 ) aufwärts bis in die Flöhe von- ! touli. Hier begleitet nur ein dünner Waldschleier J (Breite etwa 500 m) den Fluß; dahinter befinden I sich wieder Grasebenen, die scheinbar mit Unter­brechung durch einzelne Waldkulissen bis an den j Ssanga reichen. j

Der Grüne Likuala ist sogar für große Dampfer j bis zur Bajimündung schiffbar, da überall eine Tiefe j über 4,00 m gemessen wurde. Sandbänke konnten j nicht festgestellt werden. I

Im Februar und März fällt der Wasserspiegel ! allerdings um 1,50 bis 2,00 m. Ob auch dann der j Fluß für große Dampfer passierbar ist, ist noch j nicht sicher. Die Europäer, die ich gesprochen habe j und die den Fluß kennen, nehmen es an. Während I meines Aufenthaltes im Februar in Botoungo habe j ich nur auf der Flußstrecke BajimündungBotoungo | eine Sandbank etwa 1 m unter dem Wasserspiegel , festgestellt, die aber umfahren werden konnte, da der Likuala an dieser Stelle ungefähr 120 m breit ist.

Die Breite des Flusses beträgt im allgemeinen 60 bis 80 m, doch kommen auch häufig Verbreite­rungen vor.

Die Stromgeschwindigkeit wechselt mit dem Wasserstande im Likuala und Ssanga. Augenblick­lich ist sie im Juni/Juli ziemlich groß. Im Februar dagegen war nur eine schwache Strömung vorhanden, j

Ein Kanu braucht für die Fahrt von Boyenghe i bis Botoungo aufwärts 10 bis 12 Tage, abwärts j

7 bis 8 Tage bei einer täglichen Fahrtdauer von j

8 bis 10 Stunden. Ruderer sind nur von einem : Dorf zum andern zu bekommen.

Das Ufer liegt im allgemeinen 0,20 bis 2,00 m und mehr über dem Wasserspiegel; stellenweise treten sumpfige Grasebenen an den Fluß. Im Waide j dagegen ist in der Nähe des Flusses fast gar kein

J )Kanal heißt der von der Schiffahrt vielfach benutzte ; Verbindungsarm vom Grünen Likuala oberhalb Boyenghe zum Ssanga.

Sumpf vorhanden, während man weiter im Innern durchweg auf ausgedehnte Sümpfe stößt (rund 5 bis 8 km vom Flusse entfernt). Von Botouli ab­wärts ist aber sowohl im Walde als auch in den Grasebenen so gut wie gar kein Sumpf vorhanden.

Wohl zu unterscheiden vom ständigen Sumpf sind jedoch die zeitweiligen Überschwemmungen. Der Grüne Likuala steigt nämlich über den von mir beobachteten Wasserstand um 1,50 bis 1,75 m oberhalb Botouli, unterhalb dieses Ortes noch be­deutend mehr. Daher ist für zwei bis drei Monate (November bis Januar) bis in die Höhe von Botouli fast alles Land überschwemmt. Oberhalb Botouli wird nach meiner Schätzung etwa nur y 3 bis höch­stens % des Landes überflutet.

Die Folgen dieser Überschwemmungen sind wie beim Nil große Fruchtbarkeit. Fast überall findet man eine Humusschicht von mindestens 0,30 m Stärke. An einigen Stellen trifft man wilden Reis. Wird das Gras zu hart, so brennen die Ein­geborenen jährlich zweimal die Grasflächen ab. An den Stellen, wo der Wald nicht durch Wasser­gürtel geschützt ist, ergreift das Feuer auch häufig den Waldrand und vergrößert so allmählich die Grasflächen. Als einziger Baum widersteht die Palme ohne Wasserschutz dem Feuer.

Die Grasflächen werden von zahlreichen Büffel­herden und Antilopen belebt. Die Büffel der hiesigen Gegend sind ziemlich vertraut und nehmen nach meinen persönlichen Erfahrungen und nach dem, was ich gehört habe, auch angeschossen selten an. Im Gegensatz dazu sind die Elefanten, die es hier noch in großer Zahl gibt, sehr angriffslustig. Im Walde leben ferner viele Affenarten, auch Gorilla und Schimpansen kommen vor. Vom Raubzeug ist der Panter viel vertreten. Die Eingeborenen fürchten ihn sehr, da er nachts in die Dörfer dringt und Menschen raubt. Ich habe einen derartigen Fall persönlich miterlebt. Ferner gibt es viel Schlangen, auch Riesenschlangen sollen Vorkommen.

Tm Flusse selbst sieht man häufig Flußpferde und Krokodile. Die Wasservögel, besonders zahl­reiche Reiher, ziehen die Nebenarme vor.

In der Nähe der Ufer findet man von Botouli an aufwärts viel Ölpalmen, an einigen Stellen gibt cs förmliche Ölpalmenhaine. Im Walde wachsen Gummilianen, während ich Gummibäume nur am oberen Teil der durchfahrenen Flußstrecke bemerkt habe. Bis zum Kanal aufwärts stehen zahlreiche Borassuspalmen.

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