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1 (1914) Landeskundlicher Teil
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Steine gibt es nicht, abgesehen von dem verein­zelt vorkommenden .Rasenerz.

Gesundheitlich ist dies Gebiet, abgesehen von der Schlafkrankheit, leidlich, da Moskitos fast ganz fehlen. Trotzdem die Tsetsefliegen nicht sehr zahlreich sind, gibt es doch noch viel Schlaf­krankheit.

In den Morgen- und Abendstunden wird der Aufenthalt durch unzählige, winzig kleine Sand­

fliegen unleidlich gemacht, während man am Tage außer von der Tsetse häufig von der Tabanile heim­gesucht wird, eine Fliege im Aussehen ähnlich einer Wespe, welche mit Säugrüssel sehr schmerzhafte, 2 bis 3 Tage dauernde Schwellungen verursacht. Weiter tritt in den Dörfern der Sandfloh in großen Mengen auf. In dem Walde nördlich und westlich von dem alten Kakassenge gibt es sehr viele Schwärme von wilden Bienen.

Allgemeiner Bericht über die KongoLobaje-Grenzexpedition.

Von Hauptmann Paul Geisler.

(Mit zwei Textskizzen.)

Die Expedition traf am 25. Oktober 1912 mit dem belgischen DampferElisabethville in Ma- tadi ein. Die Weiterfahrt über Thysville nach Kinshasa erfolgte mit der belgischen Kongobahn. Bemerkenswert ist, daß sich in Kinshasa bereits eine deutsche Schiffahrtsgesellschaft mit deutschem Kapital gebildet, die verschiedene Dampfer der Messageries fluviales aufgekauft und den Ver­kehr auf dem Kongo, Ssanga, Ubangi aufgenom­men hat. Von seiten der Messageries fluviales wurde der Expedition für die Weiterfahrt quf dem Kongo und Ssanga der HeckraddampferCommandant Lamy, der eine Nutzlast von 150 t hat, zur Ver­fügung gestellt. Die Tiefe des Kongo gestattet Schiffen bis zu 600 t den Verkehr bis Stanleyville. Die Entfernung beträgt 1700 km. Eine große Ge­fahr für die Schiffahrt bilden die plötzlich auf­tretenden Tornados. Bei dem geringen Tiefgang, den die Schiffe haben, kentern sie sehr leicht bei starkem, seitlichem Winddruck. An den Ufern und auf den zahlreichen Inseln, die im November größ­tenteils unter Wasser waren, wechselt undurch­dringliches Dickicht mit weiten grünen Flächen, die aber nur aus trügerischem, schwimmendem Kraut­geflecht bestehen, das durch Wind und Wellen der vorüberfahrenden Dampfer in schwingende Bewe­gung gerät. Die Umgangssprache der Eingeborenen am Kongo und Ubangi ist Bangalla. Am Zusam­menfluß des Kongo mit dem Likuala Mossaka, Ssanga, Grünen Likuala und weiter oberhalb mit dem Ubangi und dem Abfluß des Tubasees bildet der Kongo eine seeartige Erweiterung von bedeu­tender Ausdehnung. Am Ssanga etwas oberhalb seiner Mündung ist die deutsche Station Bonga gelegen.

Bonga.

Anfang November lag Bonga ungefähr 30 cm über dem Wasserspiegel. Der Höchstwasserstand wird gewöhnlich im Oktober erreicht. Es .ist also möglich, daß Bonga, vornehmlich in starken Regen­jahren, überschwemmt wird. Der Unterschied zwi­schen Höchst- und Niedrigwasserstand beträgt hier beim Kongo etwas über 3 m. Für die Bedeutung Bongas ist es aber ziemlich unwesentlich, ob das Wasser in manchen Jahren bis an die Türschwellen der Häuser reicht. Es ist eine Kleinigkeit, mit den Dampfern aus Kinshasa einige Tonnen Zement her­aufkommen zu lassen, ebenso kann man im Lande bequem bei dem lehmigen Boden und vielen Holz einige tausend Ziegelsteine brennen. Hieraus läßt sich leicht ein erhöhter, fester Unterbau schaffen. Ähnlich haben es die Franzosen an verschiedenen Plätzen gemacht, beispielsweise bei dem dicht bei Bonga auf dem rechten Ufer des Likuala Mossaka gelegenenMossaka, das wohl auf der­selben Flöhe wie Bonga liegt. Die Bedeutung Bongas beruht nicht auf seinem Hinterland, das wohl mehrere Monate zum größten Teil unter Wasser steht, sondern auf seiner günstigen Lage als Handels-, Stapel- und Umschlagsplatz für den Ssanga-Handel.

Da die Schiffahrt auf dem Ssanga kurz vor seiner Einmündung in den Kongo sehr schwierig ist, benutzen die Dampfer den Grünen Likuala an Bo- yenghe vorbei, um nach etwa 50 km durch den so- i genannten Kanal wieder in den Ssanga zurückzu­kehren. Die Ufer des Ssanga haben im allgemeinen dasselbe Gesicht, wie die des Kongo; tropischer Ur­wald, bestehend aus allen Arten von Gummipflanzen, Ölpalmen, Alchorneen, Kopalbäumen, zähen Rot-