Zeitschriftenband 
1 (1914) Landeskundlicher Teil
Entstehung
Seite
101
Einzelbild herunterladen
 

101

Das Grenzgebiet nördlich Kinami bis zum 2 ten Grad nördlicher Breite.

Etwa 5 km nördlich Kinami hört die Parkland­schaft auf, und üppiger Urwald füllt das ganze Land aus. Der Baji oder Ketsi, wie er in seinem Ober­lauf genannt wird, entspringt unmittelbar westlich von dem alten Dorf Totobo aus mehreren Quellen und nimmt links bald südlich des Weges Totobo Mbili den Mbele auf (1,50 m breit, 0,15 m tief). Der Ketsi bildet bis fast in der Höhe von Tukulaka einen mehrere 100 m breiten Sumpf, in dem sich zur Trockenzeit deutlich mehrere Wasserarme von etwa 1,50 m Breite und 0,60 m Tiefe erkennen lassen.

Von einem Punkt etwa 5 km südlich Tukulaka aus gestattet der Ketsi, der von hier ab 1 bis 3 in breit ist, stets Kanuverkehr. In der Trockenzeit kommt man allerdings nur mit Mühe fort. Der Ketsi verbreitert sich bei der ,,Palmeninsel zu mehreren 30 bis 300 m breiten Seen.

Der Fluß ist sehr fischreich.

Auf der Palmeninsel gibt es anscheinend zahl­reiche Elefanten. Ölpalmen dagegen sind nur in ge­ringer Menge vertreten.

Auf dem westlichen Teil der Insel, in der Nähe des Impoko, eines Nebenflusses des Ketsi, der etwa 1 m breit, an kleinen Erweiterungen bis zu 30 m ! breit ist, liegen mehrere Farmen, die zu Tukulaka i gehören. j

Die Palmeninsel trägt übrigens ihren Namen zu Unrecht, da es sich nur um eine etwa 30 m hohe, nicht sehr ausgedehnte Erhebung handelt, die auf ; der Ostseite durch den Baji mit seinen Erweite- j rungen, nach Norden durch den kleinen Impoko und ; sonst durch große Sümpfe umgrenzt wird. Von der j Palmeninsel aus geht der Ketsi oder Baji in vielen Windungen unter Bildung kleiner Erweiterungen j in südlicher Richtung bis etwa 5 km nördlich Kinami durch dichten Busch. Die Fahrstraße ist für Kanus sehr beschwerlich, da sehr viele Bäume in und über dem Wasser liegen. Ende Februar j dieses Jahres war der Wasserstand so niedrig, j daß ich auf dem Lande nach der Palmeninsel zu- 1 rückkehren konnte. Das Land war zu dieser Zeit i fast völlig frei vom Sumpf, wenigstens auf dem französischen Ufer, während das deutsche noch teil- 1 weise sumpfig war.

Oberhalb der Palmeninsel zu beiden Seilen des Ketsi bis etwa 5 km südlich Tukulaka ist das Land j durch großen teilweise undurchdringlichen Sumpf | erfüllt. Das Wasser steigt in der Regenzeit um j etwa 2 bis 3 m, so daß dann weithin alles über- j schwemmt ist.

Der Baji verbreitert sich allmählich und erreicht etwa 5 km nördlich Kinami eine Breite von 15 bis 25 m. Er verläßt hier den Wald und tritt in eine Parklandschaft ein. Krokodile, Flußpferde, Reiher und Marabu sind auf der oberen Flußstrecke nicht vorhanden. Das Einmünden von Nebenflüssen konnte nicht festgestellt werden.

Der wirtschaftliche Wert des Landes zwischen dem oberen Baji und dem Ssanga ist nur gering, da es überall mit Urwald und ausgedehnten Sümpfen bedeckt ist. Nur das Dorf Ibembe befindet sich in diesem Gebiet, etwa in der Mitte zwischen Ikelemba und dem alten Kinami gelegen. Mit beiden Orten ist es durch Pfade verbunden, die zum großen Teil durch Sumpf führen. Besser bestellt ist es mit dem Gebiet in Höhe der Ketsiquellen, von dem aber nur ein kleiner Teil an Deutschland gefallen ist. Man kann von Ikelemba über Dalo in etwa fünf Tagen dorthin gelangen. Dalo am Ndoki liegt etwa 30 m hoch über dem Fluß, rings vom Sumpf umgeben.

Die Verbindung mit Ikelemba ist zu Lande wegen des Sumpfes nicht günstig, auf dem Wasser­wege hingegen recht gut. Der Ndoki ist zu jeder Jahreszeit von den größten Kanus befahrbar. Nach Säuberung der Fahrrinne von Gras, was mit wenigen Kosten bewerkstelligt werden kann, würde der Fluß auch für Barkassen stets benutzbar sein. Der Ndoki bei Dalo ist etwa 12 m breit und erweitert sich bis zu seiner Einmündung in den Ssanga auf 20 bis 25 m. Seine Tiefe beträgt zu jeder Jahreszeit über 3 m. Die Fahrtdauer IkelembaDalo für ein Kanu beträgt aufwärts etwa 25 Stunden und abwärts etwa 15 Stunden.

Zu beiden Seiten des Ndoki befinden sich aus­gedehnte Sümpfe; auf der mittleren Strecke zwi­schen DaloIkelemba begleiten bis etwa 1500 m breite stets überschwemmte Grasflächen die Ufer. Im unteren Ndoki gibt es viele Flußpferde und Kro­kodile.

Das Dorf Dalo ist völlig verlassen, seine Be­wohner haben sich nach Ouesso begeben, auch die Comp. Forestiere hat den Ort geräumt. Elefanten sind noch in großer Zahl vorhanden. Sehr reich ist auch der Bestand an Gummibäumen; Ölpalmen da­gegen gibt es nicht. An Gummi wurden früher im Durchschnitt 800 kg pro Monat gewonnen.

Auch die Dörfer am oberen Ndoki sind nach Aussagen der Eingeborenen verschwunden. Früher war der Ndoki bis Mene für Kanus befahrbar, jetzt ist indes die Fahrrinne bald nördlich Dalo zuge­wachsen.

Die Ansiedlungen Kakassenge und Mongolo sind in acht bis neun Stunden von Dalo zu erreichen. Der Weg ist das ganze Jahr hindurch gangbar,