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breite Eisen- oder Messingringe; auch die Weiber hatten sie. Uber die Anlage ihrer Dörfer habe ich schon an früherer Stelle gesprochen. Die Bakuele sollen alle sehr gut bewaffnet sein, zum Teil mit Gewehren von neuestem Modell.
Ob das von der Expedition durchzogene Gebiet gesund ist oder nicht, läßt sich schwer sagen. Uns erschien es gesund, und wir haben weder an Malaria noch an Dysenterie gelitten. Unsere Lagerplätze befanden sich fast immer auf Höhen, nicht weit von Bächen mit frischem, gutem Wasser, das man auch ohne Abkochen und Filtern trinken konnte. Aon Schlafkrankheit habe ich bei der Schnelligkeit meines Durchmarsches durch die Dörfer nichts bemerken können.
Die Kandekoexpedition und das Alluvialland des westlichen Ssangazipfels.
Von der Dschuastufe ins Lager am Dscha zurückgekehrt, verbrachte ich die Zeit vom 23. bis 31. März mit der notdürftigen Wiederherstellung meiner angegriffenen Gesundheit und der Zusammenstellung und Ausrüstung der neuen Expedition. Sie setzte sich zusammen aus vier schwarzen Sol- j daten, einem Träger-Vormann und 22 Trägern, drei Boys und jeweils einem oder zwei Führern aus den passierten Dörfern. Es befanden sich dabei elf Europäerlasten, zwei Expeditionslasten und zehn Reislasten; alles Überflüssige blieb zurück, selbstverständlich auch die Träger- und Soldatenweiber und Soldatenboys.
Aleine Aufgabe war, von dem schon im deutschen Gebiete liegenden Mbula aus, bis wohin Major R. i 11 e r bereits im Dezember bei der Feststellung der Grenze vom Ssanga zum Kandeko seine Routenaufnahmen ausgedehnt hatte, den Lauf des bisher noch nicht erforschten Kandeko zu verfolgen und aufzunehmen. Zu diesem Zwecke sollte ich wenn möglich am Flusse entlang marschieren oder ihn im Kanu abwärtsfahren und im Anschluß daran den Lengue und den Likuala Mossaka herunterfahren und bei letzterem im besonderen auf den Talweg und die Inseln, bei denen es sich um die Zugehörigkeit zu Frankreich oder Deutschland handelte, achten. Die uns nicht bekannte und darum unterschätzte Schwierigkeit bestand nun darin, daß der Kandeko zu beiden Seiten in einer Zone von 1 bis 5 km versumpfte oder überschwemmte Ufer hat, in denen das Flußwasser zum Teil in das niedriger gelegene Ufergebiet hineinfließt. Schon im Dezember hatten wir an der Stelle, wo die Grenze den Kandeko erreichte, eine Sumpfzone von 500 bzw. am rechten Ufer von 700 m festgestellt. Diese Surflpfzone nahm nach Süden beständig an Breite und Tiefe zu. Wohl gab
es hier und da auch trockene Uferpartien, aber am Flußufer entlang zu marschieren war ein Ding der Unmöglichkeit. Den Fluß im Kanu aufzunehmen war gleichfalls unmöglich, weil die Eingeborenen am Kandeko und Lengue bis in die Gegend von Ntoku am Likuala Mossaka nach ihren eigenen Angaben und den glaubwürdigen Mitteilungen der Agenten V.i g n e und Petit-Ren aud und des Direktors Trechot der Compagnie frangaise du Haut- Congo gar keine oder nur ganz kleine Kanus für eine, höchstens zwei Personen besitzen; ferner erkannte ich in Mbula, daß es selbst im Besitze eines Kanus nicht möglich sei, stromabwärts eine Routenaufnahme vorzunehmen, da der Fluß infolge seiner reißenden Strömung, zahlreichen Krümmungen mit sehr kleinem Krümmungsradius und zahllosen, im Wasser liegenden Baumstämme eine ununterbrochene Gefahr des Kenterns bildete, die ruhige Kompaßablesungen gar nicht zuließ. Höchstens konnte man eine Aufnahme im Kanu stromaufwärts von der Mündung her wagen, da dann wenigstens die Strömung etwas ausgeschaltet war. Dementsprechend beschloß ich, unter zusammenhängenden Routenaufnahmen auf der höher gelegenen Landterrasse von Dorf zu Dorf nach Süden zu marschieren, von jedem Dorfe aus einen Vorstoß durch das Sumpfgebiet bis zum Kandeko zu machen, und sowie ich irgendwo ein Kanu erlangte, den Kandeko aufwärts zu fahren. Hoffte ich dabei auf die in der französischen Karte am Zusammenfluß von Kandeko und Lengue eingezeichnete Faktorei Ibanghi, so stellte sich diese Hoffnung bald als trügerisch heraus, da Ibanghi nicht mehr (weder als Faktorei noch als Dorf; existiert, weshalb ich dann auf fran- j zösisches Gebiet nach der neu angelegten Faktorei ! Mobanga der Compagnie franqaise du Haut-Congo am Lengue abbiegen mußte, durch deren Vermitt- 1 lung ich schließlich Kanus erhielt. Meine Expedi- i tion gliederte sich dementsprechend in drei Ab- I schnitte: 1. Landmarsch parallel dem Kandeko,
; Übergang über den Kandeko und Marsch nach der Faktorei Mobanga am Lengue (vom 1. bis 13. April),
; 2. Fahrt im Kanu auf dem Lengue, Kandeko, Lengue
und Likuala Mossaka bis Aime gegenüber von Ntoku (bis 30. April), 3. Fahrt auf dem Dampfer ' des Direktors T r e c h o t bis Mossaka an der Mündung des Likuala Mossaka in den Ssanga bzw. Kongo (bis zum 3. Mai).
Am 3T. März marschierte die Expedition von unserem Lager am Dscha mit einem von dem Administrator von Oucsso zur Verfügung gestellten Führer über Ouesso und die französisch gebliebenen Ortschaften Mboma, Mbeka, Ngambi nach Mbula ab, das nach zwei Tagemärschen am 1. April er-