Da ich das Gebiet der Dschuaniederung nicht kenne, soll hier gleich die Beschreibung des Ssanga- Dschua-Berglandes folgen.
Das Ssanga-Dschua-Bergland. j
So einheitlich auch das ganze etwa 185 km breite Ssanga-Dschua-Bergland auf den ersten Blick erscheint, so wenig ist doch ein Verzicht auf jede ; weitere Gliederung berechtigt. Es scheint mir eine Teilung des Gebietes in zwei Abschnitte nötig, deren Grenze ungefähr in der Mitte, zwischen Km. 90 und 95, liegt.
In dem westlichen Teil erstreckt sich wenige Kilometer südlich von der deutsch-französischen Grenze ein schmaler, wasserscheidender Rücken von der Dschuastufe her nach Osten. Von dieser Wasserscheide fließt eine Anzahl recht bedeutender Flüsse nach Norden zum Dscha, nach Süden zum Mambili (mithin zum Likuala Mossaka) ab, zwischen die sich von dem wasserscheidenden Rücken her lange, plateauartige Bergzüge schieben. Die scharf ausgesprochene Wasserscheide hört an der bezeichneten Grenze des östlichen Teiles zwischen Km. 90 und 95 auf.
Der östliche Teil ist ein nach Norden und Nord- j osten zum Dscha verhältnismäßig steil, nach Süden j und Südosten ganz allmählich abfallendes und in das j Alluvialgebiet des Ssangazipfels übergehendes Pia- j teau. Mit diesem Bau des östlichen Teiles hängt es zusammen, daß hier nur ganz kurze und unbedeu- j tende Nebenflüsse des Dscha entwickelt sind, wäh- j rend die Bildung größerer Flüsse (also des Kandeko i und Lengue) einseitig nach Süden vor sich gegangen ist. Zwar entspricht der Bandama, der schließlich doch in den Dscha nach Ostnordost abfließt, dieser allgemeinen Richtung nicht, aber auch sein Oberlauf hat die charakteristische Südrichtung. Hat man es also im westlichen Teil mit einem dachartigen Aufbau des Landes zu tun, der die Bildung von beiderseitigen Flußläufen gleichmäßig begünstigt, so haben wir im östlichen Teil eine einseitig geneigte Platte vor uns, die nur einseitig nach Süden entwickelte Flußläufe zuläßt.
Die Platte des östlichen Ssanga-Dschua-Berglan- des, die zum Dscha in schön bewaldeten Uferbergen oder in Steilufern abfällt und vom Flusse her einen prächtigen Anblick gewährt, nähert sich in schmalen Ausläufern bei Ouesso dem Ssanga. Ouesso ist ein 5 bis 10 m über dem Hoch Wasserspiegel des Ssanga gelegenes Plateau von einer Ausdehnung von etwa 1 km entlang dem Flusse und 1 bis 2 km landein- j wärts. Es ist im Norden wie im Süden von einem j kleinen Bache begrenzt. Der südliche Bach führt j zu der etwa 150 m landeinwärts gelegenen Eilige- |
borenenniederlassung, die nach verschiedenen Angaben 2000 Seelen umfaßte. Als Sitz der französischen Verwaltung mit Zoll und Post, als Niederlassung mehrerer Gesellschaften und von ein paar Händlern, begünstigt durch seine Lage nicht weit vom Zusammenfluß des Dscha und Ssanga und als einer der wenigen zur Ansiedlung geeigneten Punkte am Ssanga, ist Ouesso ein Platz von erheblicher Bedeutung. Das nördlich von Ouesso gelegene Lager der Ssanga-Dschua-Grenzexpedition am Dscha befand sich ebenfalls auf einem selbst zur Hochwasserzeit stets trocken gelegenen Uferplatze. Zwischen ihm und Ouesso floß der Missilie, ein zur Hochwasserzeit wohl 5 bis 10 m breiter Fluß mit breiter S.umpfuferzone, in den Ssanga. Abgesehen von dieser Sumpfniederung, die zur Niedrigwasserzeit trocken lag, war das Gelände von Ouesso bis zum Lager am Dscha leicht wellig. Südlich von Ouesso senkte sich das Ufer von 5 bis 10 m Höhe über Hochwasser sehr schnell; schon 4 km südlich von Ouesso lag es nur noch 1 bis D/2 m über Hochwasser, 5,7 km südlich von Ouesso gab es noch eine 5 m über Wasser liegende Uferstelle, auf der sich cm kleines Dorf befand, das aber französisch bleibt. Südlich davon bis zum deutsch-französischen Grenzpfeiler bei Km. 9 und darüber hinaus befand sich das Ufer im Dezember, als das Wasser schon gefallen war, nur 1 m, höchstens 2 m über Wasser und ist wahrscheinlich bei hohem Wasserstande überschwemmt, weshalb man hier ohne Aufschüttungsarbeiten nicht an die Anlage einer Station denken könnte. Zwischen Ouesso und dem deutsch-französischen Grenzpfeiler 9 km südlich von Ouesso fließen mehrere zur Niedrigwasserzeit fast ausgetrocknete Bäche in den Ssanga, die sämtlich von versumpften Ufern begleitet sind, und auch landeinwärts gab es, oft nur 30 bis 50 m vom Ufer entfernt, eine ganze Anzahl von sumpferfüllten Mulden, ln dem Gebiete zwischen Ssanga und Kandeko senkte sich das Land bald hinter dem trockenen Uferplatze auf Km. 9, auf dem das Expeditionslager errichtet war; der Boden war hier offenbar noch vor kurzer Zeit in der Regenperiode überschwemmt gewesen, die Wege waren glitschrig und feucht, und wiederholt gab es Sumpfstrecken, zwischen Km. 7 und 9,5 sogar fast ununterbrochen knie- bis bauchtiefen Sumpf. Erst 10 km westlich vom Ssanga blieb das Land trocken und stieg beständig an bis zu der zwischen Km. 16 und 17 gelegenen Wasserscheide, die durch Hügel von 30 bis 50 m relativer Höhe gebildet wurde, und wo der bereits erwähnte Quarzit und Quarzporphyrtuff als anstehendes Gestein angetroffen wurde. Hinter der Wasserscheide fiel das Gelände wieder ab, stieg nochmals an bei Km. 23