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1 (1914) Landeskundlicher Teil
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etwa 5 km landeinwärts reichend, die ülpalme, an sumpfigen Stellen allenthalben die Raphia-Palme, auf ehemaligem Farmland den sekundären Wald in verschiedenen Ubergangsstadien, auf der ganzen übrigen Fläche primären Urwald von vorzüglichem Wüchse, gutem Schlüsse und zum großen Teile noch in vollkommen unberührten Beständen. Vor allem reich ist der Wald an dem begehrtenOkume- Holz (Aucumea Klaineana), dann an verschiedenen Mahagonilieferanten der Khaya-, Entandrophragma-, Mimusops-Gruppe, an Rotholz und im östlichen Teile auch an Ebenholz. 1 ) Vor wenigen Jahren war der Wald auch noch reich an Kautschuklianen, deren Bestände jedoch infolge rücksichtslosen Raubbaues bereits sehr gelichtet sind. Kickxia elastica kommt nur ganz vereinzelt vor (in vermutlich gepflanzten Exemplaren), desgleichen Kakao; außerdem findet man, wenn auch nur in untergeordneter Weise, den Kopal- und Kola-Baum.

6. Die Tierwelt.

Säugetiere.

Es wird wohl nicht viel Gebiete mehr geben, die so arm an größeren Tierformen sind wie das Muni-Waldland. In nahezu fünfmonatiger Ur­waldwanderung habe ich nur einmal eine Antilope, zweimal Schweine, dreimal Elefanten und des öfteren eigentlich nur Eichhörnchen und kleinere Affen gesehen. Genau so erging es den anderen zu gleicher Zeit hier reisenden Europäern, genau so meiner schwarzen Begleitmannschaft. Die stete Verfolgung, deren das Wild durch die Pangwe aus- ; gesetzt ist, hat jedenfalls seinen Stand bedeutend j gelichtet, doch mit Ausnahme der größeren Affen, 2 ) j deren Baumleben sich weniger im Verborgenen ab- ! spielt, wohl kaum artenvernichtend gewirkt. Der ; Urwald ist zu groß und bietet zu viele Schlupf­winkel, als daß der Mensch allein die auffallende Wildarmut verursacht haben könnte. Der Grund liegt tiefer; er liegt in dem Mangel günstiger Le­bensbedingungen. Der das ganze Muni-Gebiet nahe­zu lückenlos bedeckende Urwald mit seiner er­schlaffenden Eintönigkeit, mit seinem dichten, Licht, Luft und Sonne abhaltenden Blätterdach, wirkt ge- j radezu erstickend auf alles Lebewesen. Dazu j kommt, daß im Urwalde fast jeglicher Graswuchs j und damit für eine große Anzahl von Wildarten die Ernährungsmöglichkeit fehlt.

Man mag einwenden, daß in dem unübersicht-

b Ebenholz kommt auch im Monda-Gebiet noch ziemlich I häufig vor. j

2 ) Gorilla und Schimpanse sind in manchen Gegenden, j in denen sie früher ziemlich häufig vorkamen, schon äußerst | selten geworden oder ganz verschwunden.

liehen Urwalde man das Wild nur selten zu Gesicht bekommt, zumal es durch die unablässige Verfol­gung wohl besonders scheu und vorsichtig geworden ist, daß also der Wildstand doch kein so minimaler wie behauptet ist.

Demgegenüber möge folgendes angeführt werden:

1. Wäre tatsächlich viel Wild vorhanden, so müßte sich auf dem nur schwach mit Laub bedeck­ten, fast immer nassen Urwaldboden, auf den Sand­bänken der Bäche, den häufigen Schlamm- und Sumpfflächen auch viel Wild spüren. Dies ist aber nicht der Fall. Man spürt im Gegenteil oft tagelang kein anderes Stück Wild als vielleicht eine kleine Antilope und einige Schweine. Wurde einmal eine größere Antilope oder gar ein Büffel gefährtet, so war dies etwas ganz Besonderes, das sich vielleicht erst nach Wochen wiederholte.

2. Für die große Wildarmut des Gebietes spricht weiter die geringe Ausbeute der Pangwe- Jäger, die in gar keinem Verhältnisse zu ihrem jagdlichen Können, ihrer Bewaffnung und nament­lich zu der aufgewendeten Zeit und Mühe steht; die Gewohnheit der Pangwe, die Schädel der Jagd­beute 1 ) aufzubewahren, gestattet eine ziemlich ge­naue Kontrolle ihrer jagdlichen Erfolge. Einer ihrer glücklichsten Jäger hatte auf dem Dache seiner Hütte liegen: die Schädel von drei Büffeln, acht Schweinen und drei kleineren Antilopen! Dazu hatte der Mann, wie das teilweise schon sehr mit­genommene Aussehen der Trophäen zeigte, viel­leicht fünf bis zehn Jahre gebraucht. Die Schädel des edleren Wildes Gorilla, Schimpanse und Leopard werden gewissermaßen als gemeinsame Trophäe des Dorfes betrachtet und im Palaverhause aufbewahrt. W as ich hiervon finden konnte, ist ebenfalls nur sehr wenig. Ein bis zwei Dutzend Schimpansen-, vielleicht ein Dutzend Gorilla- (darunter nur zwei neueren Datums) und vier Leoparden-Schädel. Da­bei ist der Pangwe nicht nur ein sehr eifriger, son­dern auch ein sehr ausdauernder und zäher Jäger, der es fertig bringt, Tag und Nacht an einem Wild­wechsel auszuharren, und der auf die meist in Be­tracht kommende, nur kurze Distanz leidlich sicher schießt. Auch versteht er sich meisterhaft auf den Fang mit Fallgruben, auf die er durch geschickt an­gelegte Flechtzäune das Wild zu leiten weiß, richtet Prügel- und Schnellfallen, kurz er ist in jeglicher Art des Tierfanges erfahren. Und trotzdem ist die Ausbeute des besten Jägers nicht annähernd hin­reichend, ihn und die Seinen zu ernähren.

b Selbst die kleinsten Affenschädel sowie die Schädel mittelgroßer Fische werden aufbewahrt.