Zeitschriftenband 
1 (1914) Landeskundlicher Teil
Entstehung
Seite
44
Einzelbild herunterladen
 

44

und nach Vereinigung- mit ihren Hauptflüssen in mehr oder weniger weitem Laufe durch französi­sches Gebiet das Meer erreichen. Schiffbar ist auf deutscher Seite keines dieser Gewässer, dagegen dürften sie alle zur Holztrift sich eignen.

Da der Mbei, Komo, Abanga zum Teil in tiefen Quertälern das deutsche Gebiet durchfurchen, sind sie eher ein Verkehrshemmnis als ein Transport­mittel, es sei denn, daß eine möglichst der Süd­grenze sich nähernde deutsche Muni-Kongo-Bahn sie als primäre Zufahrtsstraßen für das Triftholz nutz­bar macht.

3. Die orographischen Verhältnisse.

Während das Küstengebiet bis zum Noja im großen und ganzen eben oder schwach gewellt ist, zeigt das Gebiet zwischen Noja und Abanga scharf eingerissene Täler, Kuppen und Höhenzüge, die ihm den Charakter eines ausgesprochenen Berg- und Hügellandes verleihen, dessen durchschnittliche Höhe zwischen 300 und 500 m liegt und deren höchste Kuppen bis 800 m und mehr ansteigen mögen. Der östlich des Abanga gelegene Gebietsteil zeigt wieder mehr den Charakter eines Hochplateaus als eines Berglandes, die Ausgleiche sind mehr wellenförmig, die Täler weniger tief eingeschnitten. Die durchschnittliche Höhe mag zwischen 400 und 600 m liegen. Der Aufbau des Gesamtgebietes ist terrassenförmig.

4. Die Bevölkerung.

Dem einheitlichen Charakter des Waldlandes entsprechend ist auch die Bevölkerung eine ein­heitliche.

Die Bevölkerung gehört nahezu ausschließlich zu dem großen Volke der Pangwe; lediglich an der Küste zwischen Ndombo und Monda finden wir noch etwa ein Dutzend kleinerer Dörfer und Nieder­lassungen besiedelt von dem Fischervolke der Basaka. 1 )

Die Bevölkerungszififer mit einigermaßen Ge­nauigkeit anzugeben ist mangels jeglicher Unter­lagen unmöglich. Schätzungsweise mögen es 20000 bis 50 000 Köpfe sein. Städteartige Siedlungen sind nirgends vorhanden; die größten Dörfer des Bezirkes im Norden und Osten gelegen mögen mit ihren Nebendörfern im Höchstfälle 300 bis 400 Köpfe zählen, während der Durchschnitt wohl zwischen 50 und 100 liegen wird.

Die Pangwe sind zum größten Teil noch ein völlig wildes, unzivilisiertes Waldvolk, das Freiheit

J ) Aus dem Hinterlande von Ekoka sollen noch ab und zu Reste eines Zwergvolkes zur Küste kommen. Sicheres darüber konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.

und Ungebundenheit über alles liebt, jedem Zwang sich nach Möglichkeit zu entziehen oder aber ihn mit Gewalt zu brechen sucht. Der Urwald und sein Gewehr sind zwei Kampfmittel, mit denen der Pangwe seinen Unterdrückern schwer zu schaffen machen kann. In dem nur ihm bekannten, nur ihm zugänglichen unendlichen Waide verschwindet er, verschwindet ein ganzes Dorf spurlos, wenn Gefahr in Verzug oder man sich lästiger Träger- oder Sta­tionsarbeit entziehen will. Oder aber er greift zum Gewehr und dann ist der Pangwe ein sehr gefähr­licher Gegner. Wohl gestattet das mit Spreng­pulver und gehackten Eisenstücken geladene Feuer­stein- oder Perkussionsgewehr einen einigermaßen sicheren Schuß nicht weiter als etwa 30 m, doch ist dies ja auch so ziemlich die äußerste Entfernung, auf welche man im ,,Busch Gesichts- und Schuß­feld hat. Die Überlegenheit unserer weittragen­den Gewehre schaltet also im Buschkampf mit den Pangwe fast vollkommen aus, und bleibt lediglich die Feuergeschwindigkeit als Vorzug bestehen. Dabei ist die Kampfweise der Pangwe eine wohl­überlegte, dem Gelände vollkommen angepaßte. Der Schütze kauert da, wo der Busch am unübersicht­lichsten ist, in vollkommen verdecktem Verstecke drei bis fünf Schritte neben dem Buschpfade, auf dem der Gegner wie auf einem Zwangswechsel da­her kommen muß. Nach dem Schüsse flüchtet er fast immer ungesehen durch den dichten Wald bis er sich in Sicherheit glaubt, lädt wieder und wiederholt den Angriff in gleicher Weise vielleicht schon y 2 Stunde später. Dabei hat er allmählich gelernt, den schwarzen soldatischen Vortrupp unbe- schossen zu lassen, um für den Weißen als seinen ge­fährlichsten Gegner den Schuß aufzusparen! So­lange der Pangwe noch einen Schuß Pulver hat, solange bleibt er gefährlich. Pulver ist heut­zutage noch nach vielen Tausenden von Kilogramm im Muni-Bezirk vorhanden, und ist einmal dieses erschöpft, so kann es bei der gegenwärtigen Grenz­gestaltung ohne weiteres aus Spanisch-Guinea her­eingeschmuggelt werden. Dort sollen noch große Vorräte im Innern sein, die vermutlich immer noch ergänzt werden können, trotz des Pulvereinfuhr­verbotes.

Ein Glück nur ist, daß die Pangwe so wenig organisiert sind. Meist reicht die Organisation über die eigene Dorfschaft, die in der Regel aus einem Haupt- und ein bis zwei Nebendörfern besteht, nicht hinaus, mit dem benachbarten, wenn auch zum sel­ben Stamme gehörigen Dorfe leben sie womöglich schon auf dem Kriegsfuße. Würden die Pangwe eine großzügige, das ganze Volk oder wenigstens die größeren Stämme umfassende Organisation be-