Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1896) Die Thierwelt Ost-Afrikas und der Nachbargebiete : Wirbelthiere / Hrsg. unter Redaktion von K. Möbius
Entstehung
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Ordnung: Hydrosauria.

Familie: Croeodilidae.

Crocodilus vulgaris Cuv.

Tanga in Usambara; erwachsenes Individ.; Oscar Neumann S.

Bach, der vom Kilima-Ndjaro hinabfliesst; ein Junges.; G. A. FischerS.; I. G. Fischer, Jahresb. Hamburg. Mus. 1884, S. 18.

Im Victoria Nyansa zwischen Mwansa und Bukoba wurden auf einer kleinen unbewohnten Sandinsel von Oscar Neumann zwei Krokodilnester ge­funden. »Die Eier waren im Sande verscharrt, die obersten herausschauend, die tiefsten circa 1 Fuss tief unter der Oberfläche des Sandes. Das eine enthielt 64 frische, das andere 71 stark angebrütete Eier.« Aufbewahrte Embryonen aus diesen Eiern erwiesen sich als Individuen von Crocodilus vulgaris.

Böhm schreibt über die Verbreitung von Crocodilus vulgaris in Deutsch- Ostafrika folgendes: »Crocodilus vulgaris ist in allen Flüssen, besonders im Wala- und Ugallafluss häufig und kolossale Dimensionen erreichend. Merk­würdiger Weise watet man in hiesiger Gegend (Kakoma) unbesorgt in den von Krokodilen bevölkerten Gewässern umher, während sie z. B. am Kingani und Tanganyika ihrer Angriffe wegen gefürchtet werden. Als wir auf den Sumpf insein im Ugallaflusse lagerten, kam ein grosses Exemplar nachts häufig auf den kleinen, unmittelbar aus dem Wasser sich erhebenden Hügel, der unser Zelt trug, und schleppte von hier einmal ein Antilopengehörn fort. Ein anderes hatte sich unweit unserer Jagdhütte an demselben Elusse auf einer Sandbank postirt, um die ins Wasser fallenden Jungen einer Cormoran-Colonie (Phalacrocorax africanus) wegzuschnappen.

»Das Krokodil ist hier unverletzlich, da es von den Wanyamwesi für zauber­haft und fürchterlich giftig gehalten wird, sein Blut das ganze Wasser vergiften, und, wie man behauptet, der Mtemi die Tödtung eines solchen auf das furcht­barste bestrafen würde, weil derselbe besorgt, durch Theile des Getödteten ver­giftet zu werden. In Kawende kennt man diesen unsinnigen Aberglauben nicht, dafür sind dort die Pythonen geheiligt.«

Eni in Pascha und F. Stuhl mann berichten über die Lebensweise des Krokodils in Ostafrika P'olgendes (Zool. Jahrb., Abth. f. Syst. B 5, S. 545548): Die Phablage findet in Ostafrika einmal im Jahre statt, doch ist die Zeit für verschiedene Orte verschieden. In Zwischenräumen von etwa zwei Tagen legt das Weibchen bis hundert Puer in vier bis fünf selbstgescharrte Gruben. Die Dauer der Phentwicklung beträgt 40 Tage. Von einer Brutpflege des Weibchen ist keine Rede. Im Innern von Ostafrika halten die Krokodile in trockenem Schlamm einen Sommerschlaf.