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P. M ATSC1II K.
Zweite Ordnung: Prosimii. Halbaffen.
Vorn und hinten Hände. Der zweite Finger der Hinterhand trägt stets eine Kralle.
Familie: LEMURIDAE. Makis.
Alle Finger, mit Ausnahme des zweiten Fingers der Hinterhand, tragen Nägel.
Gattung: Galago Geoffr. 1796. — Ohrenmaki.
Ohren gross, abgerundet, nackt und willkürlich in Falten zusammenlegbar; Schwanz lang; Hinterbeine viel länger als die Vorderbeine.
Im Oberkiefer vorn zwischen den grossen Eckzähnen 4 in zwei Gruppen stehende Schneidezähne; im Unterkiefer stehen 6 schräg nach vorn gerichtete, dicht aneinander gedrängte lange Zähne.
Die Ohrenmakis sind Nachtthiere. Bei Tage halten sie sich nach Fischer in den Mangobäumen versteckt auf, aus denen gegen Abend ihre Stimme erschallt, welche dem Geschrei eines kleinen Kindes ähnelt. So träge und theil- nahmlos sie am Tage dasitzen, so gewandt und schnell sind sie des Nachts.
»Spät Abends sieht man diese Thiere«, wie Böhm erzählt, »zuweilen in geradezu fabelhaften, riesigen Sätzen von Baum zu Baum springen, wobei ihnen die aufrechte Haltung, die hochgerichteten Ohren und der lange, buschige Steuerschwanz ein höchst abenteuerliches Aussehen geben. Auch Gefangene suchen durch ausserordentlich kraftvolle schnellende Sätze zu entkommen. Ein am 22. April am Tage erlegtes Exemplar sass zusammengekauert ziemlich niedrig in einem Baum neben einem Nest, das aus zusammengehäuften Blättern erbaut und auf einem alten Vogelnest befestigt war. Die Augen schimmern im Halbdunkel leuchtend bernsteingelb.« Im Magen fand Böhm Insektenreste und einen Schleim, der aus dem Inhalt von Vogeleiern zu bestehen schien.
Es leben in Afrika drei Gruppen von Ohrenmakis; die eine, welche bisher nur vom Westen bekannt ist, zeichnet sich durch runden Kopf und nach vorn zugespitzte, mit einem mittleren Längskiel versehene Fingernägel aus (G. palli- dus); die zweite umfasst die kleinen Halbaffen mit sternförmiger Pupille und kurzem, dichtem Pelz (G. sen egale ns is und Verwandte); die dritte enthält die grossen Formen mit spitzerer Schnauze, linsenförmiger Pupille und dichtem wolligen Pelz (G. crassicaudatus und Verwandte). Aus Ostafrika kennen wir bisher nur Vertreter der beiden letzteren Gruppen und zwar sind aus jeder Gruppe mehrere, aber sehr nahe verwandte Formen beschrieben worden. Diese sind hier ^'•t'febeneinander aufgeführt, obwohl der Verdacht nahe liegt, dass in Deutsch-Ost- r „ AfcJkaAn jeder Gegend nur je ein grosser und ein kleiner Ohrenmaki lebt, dass bisher aufgestellten Species als Alters-, Geschlechts- oder Saison-Kleider zü(p/ einer Form für jedes Untergebiet gehören. Die grossen Ohrenmakis erreichen die Grösse eines Kaninchens, die kleinen diejenige einer Ratte.
Schlüssel der Arten.
Körper länger als 25 cm; so gross wie ein lang und buschig; Pupille rund oder linsenförmig.
j grau.
rostbraun.
rostgrau mit dunklem Schwanz . rostgrau mit weissem Schwanz .
Färbung:
kleines Kaninchen; Schwanz
Hellgrauer Maki. Komba-Affe.
Ohren-Maki. Weissschwanz-Maki.