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Die Stellung des Deutschtums in Posen und Westpreussen : mit einer Sprachenkarte der deutschen Ostmarken / von Moritz Weiss
Entstehung
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39
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Kapitel III.

Das Deutschtum in den Städten.

i.

Der deutsche Charakter der Städte.

Das wiederholt erwähnte polnische SammelwerkPolen" stellt am Beginn seiner statistischen Darlegungen fest (S. 63), daßdie qualitative Bedeutung der einzelnen Nationalitäten keineswegs immer der numerischen proportional" sei. Dieser Satz verdient ungeteilte Zustimmung. Er trifft besonders auf die Industrie und das Gewerbe zu; denn hier ist nicht die bloße Zahl der gewerblich Tätigen, sondern in ungleich höherem Maße ihre wirtschaftliche Stellung und Kraft von Bedeutung.

Der Sitz von Industrie, Handel und Verkehr sind überwiegend die Städte. 1905 waren in der Provinz Posen 44 640 industrielle und gewerbliche Selbständige, Betriebs-, Geschäftsleiter, überhaupt Personen in leitender Stellung vorhanden; davon saßen nur 15 338, also etwas mehr als */z auf dem Lande. Das wirtschaftliche Leben in der Provinz, soweit es gewerblicher Natur ist, konzentriert sich also durchaus in den Städten.- Die Städte in Posen und Westpreußen sind überwiegend deutsch. Das SammelwerkPolen" erkennt für Westpreußen an, daßdie Städte und Seehäfen schon zur Zeit der polnischen Herrschaft in ziemlich hohem Grade deutschen Charakter" trugen, meint aber kurz darauf, daßdie Städte bei der wirtschaftlichen Nückständigkeit der Provinz nicht so sehr Lebenszentren des ganzen Landes als vielmehr künstlich aufgepfropfte Beamtensiedlungen" seien. (S. 71 u. 73.) Diese letzte Behauptung namentlich schlägt den Tat­sachen ins Gesicht. Der deutsche Charakter der Städte ist historisch be­gründet. Polen hat in seiner Geschichte ja nie ein eigenes Bürgertum hervorgebracht; Deutsche und Juden waren stets die Träger städtischen Lebens in Polen; erst in den letzten Jahrzehnten ist ein polnisches