Teil eines Werkes 
T. 2 (1916) Anthropogeographie des Ost-Mbamlandes
Entstehung
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Die Umwälzung des Verkehrs durch die deutsche Herrschaft

Schon lange, ehe ein Europäer das Ost-Mbamland betrat, stand es mit Europa in Handelsverkehr. War doch alles Elfenbein, das ausgeführt wurde, für den europäischen Kaufmann bestimmt, brachten doch die Haussa neben europäischen Stoffen oder Perlen sogar europäische Feuerwaffen bis zum Ngila: sie waren die Zwischenhändler zwischen Europäern und Negern.

Die Unterwerfung der Wüte und Fullah und die Anlage einer deutschen Station auf dem strategisch wie handelspolitisch wichtigen Knotenpunkt Joko öffneten dem deutschen Handel 1899 das Land. Bis dahin fanden sichnur englische Produkte in Adamaua 1 . Amtlich wurde der Handelsweg von der Küste quer durch die ganze Kolonie nach Norden bis Ngaumdere und nach Osten bis an die französische Grenze für offen erklärt. Bald zeigten sich die ersten Erfolge; schon 1902 2 handelten die Haussa bei Ngila und Ngutte nicht mehr nach Norden, sondern über Jaunde zur Kamerun-Küste.

Für den Viehhandel von Adamaua in die Gummidistrikte Süd-Kameruns ist das Ost-Mbamland nur Durchgangsgebiet. In kleineren und größeren Herden von 10-100 Stück treiben die Haussa das Rindvieh nach Süden; häufig sind sie dabei beritten. Rinder und Pferde nehmen ohne Schwie­rigkeit steile Abstiege des Geländes und durchschwimmen die Flüsse allein oder neben dem Fährboot. Der Viehhandel benützt von allen Wegen aus Adamaua nach dem Süden am meisten die Straßen Tibati-Joko-Jaunde und Tibati - Joko-Dengdeng.

Der Anschluß des Ost-Mbamlandes an den Weltverkehr

Die wirksamste Unterstützung, die eine Kolonialregierung in den primi­tiven Verhältnissen eines tropischen Naturlandes dem Wirtschaftsleben angedeihen lassen kann, ist neben der Befriedung der Bewohner die möglichste Förderung des Verkehrs: der Ausbau der großen, durchgehenden Straßen und die Regelung des Trägerwesens.

Das Ost-Mbamland war mit der Unterwerfung der Eingeborenen in der Hauptsache befriedet. Der Ausbau der Straßen geschah von Kribi über Jaunde in das Ost-Mbamland hinein, und von Joko über Tibati nordwärts nach Adamaua. Zunächst wurde die Wegführung angegeben, der Weg in mittlerer Breite durch Wald und Gras ausgehauen und für dauernde Reinhaltung durch die Anwohner gesorgt (Tafel 24). Dann brachte man nach und nach streckenweise Verbesserungen an durch Verbreiterung, durch Aufschüttung fester Dämme, durch den Bau von Abzugsgräben an den Seiten, von Kehren an steilen Steigungen, von Brücken. Am besten ist bisher die Strecke Kribi-Jaunde ausgebaut; 1912 konnte sie bereits mit leichten Kraftwagen befahren werden. Auf der Strecke Jaunde-Joko ist die Straße 5 m breit angelegt und beiderseits mit Abzugsgräben versehen 3 (Tafel 25);

1 Dominik. Kol. Bl. 1902. S. 310.

2 Kamptz. Kol. Bl. 1899. S. 476.

3 Vergl. auch 1. Teil, Tafel 30, Abb. 1.