Teil eines Werkes 
T. 2 (1916) Anthropogeographie des Ost-Mbamlandes
Entstehung
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Gründe veranlassen den Neger zum Wandern, als irgend ein Handelsbedürfnis. Ist doch der Handelssinn der einheimischen Neger so gering entwickelt, daß sie nicht einmal Märkte als stehende Einrichtung kennen, im Gegensatz zu ihren westlichen Nachbarn, bei denen das Marktleben regelmäßig Besucher aus oft weit entfernten Dörfern herbeizieht und die Grundlage des Verkehrs bildet. So sind im Ost-Mbamland alle Wege ursprünglich reine Verkehrs Straßen.

Die großen Handelsstraßen vor der Errichtung der deutschen Herrschaft 1

Alle Handelsbeziehungen, die das Ost-Mbamland mit andern afrikanischen Ländern unterhielt, gingen nach Norden, Nordosten und Nordwesten. Der Sanaga bildete zur Zeit der ersten deutschen Erkundungen die Südgrenze des Verkehrs. Der große Urwald im Südosten war das unerschöpflich scheinende Elfenbein-Reservoir der belgischen und französischen Firmen im Sanaga-Gebiet, aber zwischen ihm und dem Ost-Mbamland bestand kaum irgend eine Verbindung, nur die Ngila-Leute wollen ihr Kupfer aus Südosten bekommen haben 2 . Gouverneur v. Puttkamer 3 wollte von dem ganz im Südosten gelegenen Mango aus nach Osten ziehen, fand aber keinen Führer, der jenseits der östlichsten Wute-Stadt Dabene Wegekenntnis hatte. Im Südwesten standen die Bewohner von Balinga, westlich des unteren Mbam 4 , in unmittelbarem Handelsverkehr mit den Stämmen südlich des Sanaga, ohne daß dadurch aber der Verkehr des Ost-Mbamlandes selbst irgendwie beeinflußt wurde.

Die Gründe für das Entstehen dieser scharfen Verkehrsgrenze waren politisch: die Wüte - Häuptlinge gestatteten den Haussahändlern nicht den Durchzug; sie wollten für sich allein jeden Handelsvorteil haben und untersagten den Verkehr nach Süden. Beim Ngila in Ndumba hatten daher die Haussa ihre südlichste Station.

Auch in der Führung der großen Verkehrsstraßen waren politische Einflüsse maßgebend: die Fullah-Fürsten zwangen alle Händler, auf ihren Wanderungen die Lamidats-Sitze zu besuchen. Von Yola führte die große Straße über Ngaumdere nach Tibati und von da nach Joko; von Ibi her eine andere über Banjo und von dort entweder nach Tibati oder über Pataku und Bamkin nach Ngambe undSanserni. Während der Lamido von Tibati seine Residenz in Sanserni vor Ngambe hatte, war es den Haussa - Händlern sogar verboten, den direkten südwärts gerichteten Weg von Tibati nach Joko zu nehmr n, sie mußten den weiten Umweg nach Westen über Sanserni machen.

Die Wege von Banjo nach Sanserni und von Tibati nach Joko waren gleichmäßig bequem, die Fortsetzung beider nach Süden aber mußte das Hindernis der steilen Ndomme-Mauer nehmen. Aus politischen Gründen ging

1 Vergl. Karte II: Verkehrswege und Handelsstraßen im Ost-Mbamland.

8 Morgen a. a. O. S. 200.

8 Kol. Bl. 1897.

4 Morgen a. a. O. S. 109.