Teil eines Werkes 
T. 2 (1916) Anthropogeographie des Ost-Mbamlandes
Entstehung
Seite
81
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die Wege sind jetzt leicht gangbar, da das herein wuchernde Gras abgebrannt ist und in den Flußwäldern der Boden trocken; kleine Gewässer sind leicht zu durchschreiten, in den großen ist das Wasser seicht in den Furten, oder es fließt an den tieferen Stellen nur so träge, daß die Fähre ohne Mühe bedient werden kann. Und doch ist nirgends Wassermangel, nirgends sind die im Norden von Kamerun, zwischen Benue und Tschad, berüchtigten Durststrecken zu überwinden, überall findet man auch das zur Herstellung einer kleinen Schutzhütte für die Nacht notwendige Material.

Je feuchter aber die Jahreszeit wird, um so mehr hindert sie den Verkehr : die Regenfluten spülen tiefe Risse und Löcher in alle Wege, die Sumpf- strecken werden vollkommen unpassierbar. Berichtet doch Morgen 1 , daß man in der Ndjim-Niederung im Oktober bis zu den Knien im Morast eingesunken sei, ehre Woche später sogar bis an den Leib, ein Pferd sei stecken geblieben und eingegangen. Und unser Vorhaben, in der hohen Regenzeit einen Marsch längs des Djerem von Tibati südwärts zu machen, mußten wir auf geben, weil die ganze Djerem-Niederung dann regelmäßig so versumpft ist, daß weder Führer noch Träger für diese Strecke zu bekommen sind. Auch die Sümpfe des Mbam- Waldes und der Wute-Ebene habe ich in der Regenzeit kennen gelernt Sie sind jetzt völlig unpassierbar, und es ist nicht möglich, durch sie an die Einzelberge 2 zu gelangen, die dem Südrand der Ndomme vorgelagert sind. Der kleinste Bach ist in der Regenzeit hoch geschwollen und kann be­sonders unmittelbar nach einem starken Guß zu einem ernstlichen, ja oft unüberwindbaren Hindernis werden. Die Fluten der größeren Flüsse reichen bis an die Baumbrücken und Hängebrücken und beschädigen sie; viele Stunden erfordert jetzt das Überschreiten einer Hängebrücke, da sie immer nur ein Mann mit seiner Last betreten darf. Die reißende Strömung gefährdet auch den Fähr­dienst und macht ihn oft ganz aufhören.

Die Aussicht, unterwegs ohne Schirm oder Schutzhülle dem Regen ausgesetzt zu sein und auf wenig bevölkerten Wegstrecken die Nacht ohne festes Dach und ohne Feuer in der Nässe kampieren zu müssen, verleidet selbst dem wander­lustigsten Eingeborenen das Wandern in der Regenzeit. In der Trockenzeit und in der ersten Hälfte der Regenzeit ist daher der Verkehr im Ost-Mbamland am lebhaftesten; je mehr die Regenzeit fortschreitet, um so geringer wird er, um schließlich in der hohen Regenzeit fast ganz einzuschlafen.

Der Verkehr zwischen den Einheimischen

Die im Lande angesessenen Negerstämme benutzen die Verkehrswege kaum zu Handelszwecken. Das Bedürfnis der Großleute und Unterhäuptlinge, jederzeit leicht zum Sitz des Häuptlings gelangen zu können, das Herbeischaffen von Feldfrüchten aus den Dörfern und von den Ackerplätzen zum Häuptlingsort, die Botengänge vom und zum Häuptling, Besuche bei Freunden mehr diese

1 Morgen a. a. O. S. 233 und 248.

2 Vergl. 1. Teil S. 58.

6 Thorbeoke, Hochland von Mittel-Kamerun II.