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zurück. Viele Firmen lösten ihre Faktoreien im Ost-Mbamland auf, weil sie sich nicht mehr lohnten, es mögen ihrer heute nur mehr 6 bis 8 da sein. Immerhin kaufen diese noch mittlere Mengen von Gummi ein.
Von sehr großer Bedeutung war auch die Eröffnung des Handelswegs nach Süden für den Viehhandel. Das Küstenland und das riesige Süd- Kameruner Waldland leiden stark unter Fleischmangel, was ja mit als Ursache des furchtbaren Kannibalismus der Makka-Stämme anzusehen ist. Für die großen Viehbestände Adamauas wurde ein sehr aufnahmefähiger Markt eröffnet. Die Haussah bemächtigten sich dieses neuen Handelszweigs sofort mit Energie; früher hatten sie mit unmenschlicher Grausamkeit und skrupellosem Geschäfts- gebahren auch Sklaven nach Süden an die Menschenfresser verhandelt, dieser Menschenhandel wurde verhältnismäßig rasch durch scharfe Maßnahmen der Regierung im wesentlichen unterbunden 1 , wenn er auch heute noch im geheimen manchmal Vorkommen mag. Der Viehhandel wurde andrerseits durch die Regierung auf jede Weise gefördert; die Beamten brachten selber Pferde mit an die Küste 2 , die deutschen Stationen in Joko und Jaunde richteten Viehwirtschaften ein. Dieser Inner-Kameruner Handel, der in der Handels-Statistik der Kolonie überhaupt nicht auf tritt, stellt einen bedeutenden Wert vor. In einem Jahr 3 wurden 20 000 Stück Großvieh und 8000 Stück Kleinvieh aus Adamaua nach Süd-Kamerun getrieben, was einem Geldwert von 3 Millionen Mark entspricht. Dieser Durchgangshandel durch das Ost-Mbamland sichert dem Südkameruner Kaufmann einen gewissen Einfluß auf den Markt in Garua am Benue, das einzige Gegengewicht gegen die Übermacht der englischen Niger-Company. Aber dieser Durchgangshandel beruht nicht auf Erzeugnissen des Ost-Mbam- landes selbst.
Die Zukunft des Handels
Der Handel mit Elfenbein ist dahin, der mit Kautschuk wird von Jahr zu Jahr unbedeutender; so wird der eigene Handel des Ost-Mbamlandes binnen kurzem ersterben, wenn nicht rechtzeitig für Ersatz gesorgt wird. Auch eine Einfuhr von europäischen Waren ist nur möglich, wenn im Land selbst AuEfuhr- produkte erzeugt werden, sonst bleibt der Eingeborene nicht kaufkräftig. Also müssen im Interesse des Eingeborenen, wie des kolonisierenden Europäers, Produktions- und Absatzmöglichkeiten geschaffen werden. DaseinzigeErzeugnis, dem die natürlichen Bedingungen eine sichere Zukunft gewährleisten, ist die Baumwolle 4 . Ihr Anbau muß daher mit allen Kräften gefördert werden. Baumwollbau und Baum Wollhandel sind aber nur rentabel, wenn diese Massenware rasch, sicher und billig befördert werden kann, also auf einer Eisenbahn. Diese Bahn würde auch die Kultur von Ölpalme und Erdnuß fördern und den Viehhandel von Adamaua zur Kamerunküste sicher stellen.
Jahresberichte 1909/10. S. 76 und 1910/11. S. 72.
2 Dominik. Kol. Bl. 1895. S. 651.
3 Jahresbericht 1911/12.
1 S. 57 und 1. Teil, S. 86 und S. 100.