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T. 2 (1916) Anthropogeographie des Ost-Mbamlandes
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Schwarzwasserfiebers an und verläuft nie tötlich, ruft aber doch heftige Krankheitszustände hervor.

Geschlechtskrankheiten sind vielleicht erst ins Ost-Mbamland einge­schleppt worden und haben sich mit dem wachsenden Trägerverkehr immer weiter verbreitet bei dem freien Leben der unverheirateten Mädchen und der geringen ehelichen Treue der Haremsfrauen. Leichte und schwere Krankheitsfälle kommen bei allen Völkern vor, ohne daß sich der Einzelne über die Ansteckungs­gefahr recht klar ist.

Schwere Schädigungen der Gesundheit, oft mit tötlichem Ausgang, können durch kleine Wunden und Verletzungen entstehen, die meist vernach­lässigt oder mit ungeeigneten Pflanzenpflastern behandelt werden. So gehen sie meist in Eiterung über, und furchtbare Geschwüre sind die Folge. Bei der dem Neger eigenen Nachlässigkeit richtet selbst der aus Brasilien eingewanderte lästige Sandfloh, der bei einiger Achtsamkeit immer entfernt werden kann, wirkliche Verstümmelungen an. Morgen 1 sah Leute, die alle Zehen durch ihn verloren hatten, und auch wir haben an manchem Negerfuß tiefe Löcher beobachtet, die mehr oder minder vereitert waren.

Ob Aussatz vorkommt, kann ich nicht mit Gewißheit angeben, da mir die medizinische Kenntnis zu seiner einwandfreien Feststellung fehlt. Ich sah auf der Straße einige Leute in sehr elender Verfassung mit ganz verstümmelten Füßen, die von meiner Dienerschaft mit Scheu betrachtet wurden, da siean einer sehr schlimmen Krankheit litten. Vielleicht war es auch Frambösie. In den Dörfern konnte ich darüber nichts erfahren. Doch halte ich es für wahrscheinlich, daß hier Aussatz ebenso vorkommt wie in Bali, wo er von den Basler Missionaren sicher festgestellt wurde.

Nach den Erfahrungen der Beamten des Joko-Bezirks und unsern eigenen, ist Schlafkrankheit bisher im Ost-Mbamland nicht vorgekommen. In der sumpfigen Djerembucht, die wegen Tsetse von den wandernden Rinderherden gemieden wird, könnten aber wohl Herde sein.

Die gesundheitlichen Verhältnisse des Ost-Mbamlandes sind perio­disch wie sein Klima und das ganze Leben seiner Bewohner. Im allgemeinen ist die Trockenzeit gesund, nur Hautausschläge kommen häufig in ihr vor. Mit dem Ein­setzen der ersten Regen stellen sich Malaria und Dysenterie ein, häufig epi­demisch; auch Erkältungen der Atmungsorgane treten auf, da die nur leicht be­kleideten Neger durch die plötzlichen starken Regenschauer oft bis auf die Haut durchnäßt werden. In der Höhe der Regenzeit sind Erkrankungen nicht so häufig wie bei Beginn. Die Übergangszeit ist die Zeit der Krankheiten und Seuchen, die Eingeborenen halten sie für die ungesundeste Zeit im Jahr; auch wir hatten in den Übergangsmonaten die meisten Krankheitsfälle in unsrer Karawane bei Schwarz und Weiß.

Gunst und Ungunst der Jahreszeit

In weit höherem Maß als der Bewohner der europäischen Kulturwelt ist der primitive Tropen-Mensch abhängig von dem periodischen Verlauf des

1 Morgen. Durch Kamerun. S. 193.