Teil eines Werkes 
T. 2 (1916) Anthropogeographie des Ost-Mbamlandes
Entstehung
Seite
48
Einzelbild herunterladen
 

48

der Weiberhütte der Mahlstein den besten Platz, der Tür gegenüber, wo gutes Licht von der Seite auf die Arbeitende fällt. Diesen bevorzugten Platz des Mahlsteins habe ich nirgends im westlichen Grashochland gesehen. Dort liegt der Mahlstein meist ziemlich im Winkel. Der gute Platz, den man ihm im Ost- Mbamland gibt, ist charakteristisch: die Hauptnahrung des Menschen besteht hier aus Körnerfrüchten, aus Hirse und Mais, die gemahlen werden müssen, während westlich des Mbam viel mehr Bananen und Süßkartoffeln gegessen werden. Auf der offenen Herdstelle brennt dauernd ein Holzfeuer, an dem in der Regenzeit ein jeder, der das Haus betritt, die nasse Haut und die triefenden Kleider trocknen kann. Das Holz wird als Vorrat für die Regenzeit in der Hütte aufbewahrt.

Im Schlafraum stehen meist zwei oder drei der niedrigen, hölzernen Bett­gestelle, die dem Europäer so unbequem erscheinen, die der Neger aber als herr­lichste Lagerstatt schätzt. Auch ist in jedem Schlafraum eine kleine, mit er­höhtem Rand versehene Feuerstelle, auf der abends Feuer gemacht wird, das bis gegen Morgen glimmt, zum Schutz gegen die Nachtkälte. Häufig ist über dem Schlaf raum ein Zwischenboden angebracht, in dem Mais gespeichert wird. Man erklettert den Speicher vom Wohnraum aus auf einer primitiven Leiter. Die Folge solcher Vorräte im Haus ist eine arge Rattenplage. Die Wohnhäuser werden sonst sehr sauber gehalten.

So primitiv das Haus des Ost-Mbamlandes zuerst anmutet, und aus so einfachen Mitteln es hergestellt wird, ist es doch den klimatischen Bedingungen und den Bedürfnissen des Lebens sehr gut angepaßt. Wir haben mehrfach in solchen Häusern gewohnt, haben gefunden, daß der Aufenthalt unter dem dicken Grasdach bei Tage kühl und bei Nacht warm ist. Den Mangel an Helligkeit empfindet der Neger nicht, da er weder liest noch schreibt. Handwerk und Handfertigkeiten nimmt er nicht inmitten der Hütte, sondern an der Tür oder in dem offenen, hellen Mimbohaus vor.

Gesundheit und Krankheit

Das periodisch trockene Klima bietet dem Menschen stets ge­nügend Wasser ohne die Schädigungen dauernder Feuchtigkeit; genügend hohe Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, ohne den schroffen Tempe­raturwechsel der Wüste, bewahren den Menschen vor Verweichlichung und härten ihn einigermaßen ab. Trotzdem sind die gesundheitlichen Ver­hältnisse nicht besonders günstig. Die Meinung von Morgen 1 , daß die Wüte außer einem ansteckenden Hautausschlag andere Krankheiten nicht kennen, hat sich leider nicht bestätigt. Zwar erscheint das tägliche Leben der Ein­geborenen ganz hygienisch. Die Nahrung ist meist ausreichend und immer gut zubereitet. Auf körperliche Reinlichkeit wird durch tägliches Baden großes Gewicht gelegt; da der Gesunde dazu stets das in den Abendstunden kühle, aber nicht zu kalte fließende Wasser benutzt, wirkt das Bad abhärtend auf die

1 Morgen. Durch Kamerun, S. 199.