Teil eines Werkes 
T. 2 (1916) Anthropogeographie des Ost-Mbamlandes
Entstehung
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schossene Pfeil. Er ist den weiten, offenen Savannen so recht angepaßt und wird bei der Jagd auf das flüchtige Wild am meisten gebraucht 1 . Aber auch im Kampf Bpielt der Bogenschütze 2 die Hauptrolle. Gegen den aus der Ferne ab­geschossenen Pfeil und gegen den Wurfspeer haben sich manche Graslandstämme, so auch die Wüte, eine Deckung verschafft in Gestalt von riesigen Schilden aus Büffel-Haut. Das Vergiften der Pfeile ist im Ost-Mbamland nicht heimisch, erst Haussa und Fullah haben es auch da eingeführt. Welche Gifte, ob Pflanzen­oder Leichengift, dabei verwendet werden, haben wir trotz aller Bemühungen nicht aus den Eingeborenen herausgebracht.

Schon lange vor Errichtung der deutschen Herrschaft brachten die Haussa von Norden her europäische Feuerwaffen, meist sehr minderwertige Vorderlader, die mit viel Pulver und gehacktem Blei oder Scherben geladen werden. Heute ist den Eingeborenen das Führen von Feuerwaffen verboten; sie werden beschlag­nahmt, wo sie sich noch finden. Für die Bedürfnisse des Negers genügen ja zur Jagd auch Bogen und Pfeil oder Speer völlig.

Wohnung

Die Anforderungen, die der Bewohner des Ost-Mbamlandes an seine Wohnung stellt, sind Schutz ebenso gegen die Regengüsse und Schichtfluten der fast neunmonatigen feuchten Jahreszeit, wie gegen die Nachtkälte und die hohen mittäglichen Strahlungstemperaturen der Trockenzeit. Gegen den Regen schützen die schuppenartig über einander greifenden Grasbündel des Daches, gegen die Schichtfluten der wurftartige niedrige Wall um den unteren Teil der Wand. Gegen Kälte wie Hitze schützen die dicken Grasmassen des Daches gleichermaßen.

Die innere Einrichtung des Hauses ist verschieden je nach dem Zweck, dem es dient. Das TorhauB ist eine offene Halle mit niedrigen Lehmbänken zum Sitzen, die großen Häuptlinge halten hier Empfang. Der Boden ist häufig mit weißem Sand sorgfältig bestreut. Kleinere Häuptlinge oder Großleute haben ihr Pferd in diesem Haus. Nur beim Lamido von Tibati fanden wir eine ver­schließbare Bohlentür an diesen hohen Häusern; sonst stehen die großen Tür­öffnungen Tag und Nacht offen.

Jedes Wohnhaus ist in zwei Räume geteilt, von denen meist jeder einen Ausgang ins Freie hat und die mit einander durch eine Türöffnung verbunden sind. Alle diese kleinen Öffnungen lassen sich durch feste, aber leichte, aus Raphia-Holz gefügte Schiebtüren gut verschließen, was wegen der Nachtkälte wichtig ist.

Auf der einen Seite der Scheidewand liegt der Wohnraum, auf der andern der Schlafraum. Im Männerhaus sind beide gleich groß, im Frauenhaus nimmt der Wohnraum, der zugleich Küche und Arbeitsstätte für alle häuslichen Ver­richtungen ist, zwei Drittel des Hauses ein. Im ganzen Ost-Mbamland hat in

1 Vergl. auch Tafel 20.

2 Vergl. 1. Teil, Tafel 34.