Meist erschlug der Sieger Kriegsgefangene und fraß sie. Einzig von einem noch gar nicht lange verstorbenen Tikarhäuptling in Ditam berichteten seine Nachbarn, daß er junge Leute seines eigenen Stammes — besonders solche, die seinem Harem gefährlich wurden — kastriert, gemästet und bei großen Palmweingelagen gefressen habe.
Heute ist der Kannibalismus fast ausgerottet, dank dem scharfen Vorgehen der Station Joko, die jeden bewiesenen Fall unnachsichtlich mil dem Tode bestraft. Daß er aber doch noch ab und an vorkommt, beweisen die Gerichtsverhandlungen auf der Station, in denei noch kurz vor unserm Aufenthalt Todesurteile wegen Kannibalismus gefällt wurden.
Kleidung und Bewaffnung
Die Annahme, daß die Bewohner der heißen Tropen der Kleidung überhaupt nicht bedürfen, weil sie nachts in der Hütte seien und tags nicht unter Kälte zu leiden hätten, ist irrig. Einmal sind im tropischen Hochland schon in Meereshöhen von 700—800 m die frühen Morgenstunden oft bitterkalt, da die nächtliche Ausstrahlung oft noch 2 Stunden nach Sonnenaufgang nachwirkt. Zum andern aber werden auf der freien Grasflur in den ersten Nachmittagsstunden solch ungeheure Strahlungstemperaturen 1 erreicht, daß sich der Eingeborc nt gern dagegen schützt, ähnlich wie ec der Bewohner der Wüste tut. Der Bewohner des Waldlandes, der unter vi< 1 gleichmäßigeren Lufttemperaturen und im dauernden Schatten des Waldes lebt, kann sehr wohl ohne Kleidung auskommen, im Sudan aber bedarf der Mensch der Bedeckung seines bloßen Körpers gegen Morgenkälte und die heißen Strahlen des Mittags. Im Übergangsgebiet des Graslandes ist der Mensch noch nicht im Stande, sich vollständige Kleidung selbst herzustellen, trotzdem er sie zum wirklichen Wohlbefinden braucht. In vielen Teilen des Kameruner Grashochlands geht der Neger noch heute völlig nackt, er muß daher um die Mittagsstunden die Hütte oder den Schatten des offenen Mimbohauses aufsuchen. Im Ost-Mbam- land ist durch Handel und Verkehr heute das Tragen von Kleidern fast allgemein geworden.
Im Gegensatz zur Nahrung, die ganz im Lande gewonnen wird, stammt die Kleidung der Bewohner des Ost-Mbamlandes heute zum allergrößten Teil aus andern Gebieten. Das Land selbst bringt zwar Rohstoffe dafür hervor, die Baumrinde und die Baumwolle, aber ihre Behandlung ist mühsam. Als vom Einfluß der Eullah noch nicht die Rede war, stellten sich Tikar, Wüte und die andern kleineren Stämme aus Baumrinde und Baumwolle das für ihre Bekleidung Notwendigste selber her: den Rindenstoff durch Klopfen eines geweichten, dicken Stückes Baumrinde, von der die Borke entfernt war; den Baumwollstoff durch Spinnen und Weben selbst gezogener Baumwolle mit
1 Wir haben Strahlungstemperaturen nicht gemessen, dürfen aber — nach früheren Beobachtungen in Kamerun — annehmen, daß sie die Lufttemperaturen mindestens um 20° übersteigen, also 50°—60° erreichen können.