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T. 2 (1916) Anthropogeographie des Ost-Mbamlandes
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bar einfach st: mit den Fingern wird ein Stück der mehligen Speise abgebrochen, in die Zukost getaucht und zum Munde geführt, Geräte 1 zum Essen sind unbe­kannt.

Der Wechsel der Jahreszeiten bedingt die ganz verschiedene Zusam­mensetzung der Mahlzeiten im Lauf des Jahres. Im Anfang der Regenzeit wird das Fufu aus dem Hirsevorrat der letzten Ernte bereitet; junge Gemüse, Wildfleisch und Insekten bilden die Zukost. In der Mitte der Regenzeit gibt es jungen Mais, frische Kassada oder Makabo, auch junge Gemüse. Zur ausgehenden Regenzeit kann aus dem neuen Mais das erste frische Eufu gekocht werden, Süßkartoffeln und Makabo sind reichlich frisch vorhanden, Gemüse und Hühner­fleisch stellen die Zukost. In der Trockenzeit lebt der Mensch von Fufu aus Mais- und Hirsevorräten, von getrockneter Kassada und Süßkartoffeln; dazu gibt es mindestens einmal täglich reichlich Fisch und Eier, häufig auch Wildfleisch.

Die Bewohner eines Fukdorfes am Nje räuchern die Fische auf Vorrat. Ganz allgemein wird auch das Fleisch erlegter Säugetiere, das man nicht frisch essen will, über offenem Feuer geräuchert und einige Zeit so aufgehoben. Doch nimmt es sehr bald einen ekelhaften, fauligen Geruch an, der aber den Neger an seinem Genuß nicht hindert. In Tibati kommt dazu noch das in jeder Jahreszeit täglich auf dem Markt feil gebotene Rindfleisch; für die Besitzer der Herden selbst auch Milch und Butter. Auch in Joko ist mehrmals wöchentlich frisches Rindfleisch zu kaufen.

Als tägliches Getränk wird Hirsebier genossen, das auch nahrhaft ist und nur in großen Mengen berauschend wirkt. Den stark berauschenden, süßen Palmwein trinken wegen seiner Seltenheit wohl nur Häuptlinge und reiche Großleute.

Im ganzen darf man die Ernährung der Bewohner des Ost-Mbamlandes gut und reichhaltig nennen, wenn auch natürlich Unterschiede nach Stand und Mitteln vorhanden sind. Gute körperliche Verfassung, Ausdauer und Widerstands­kraft sind teilweise darauf zurückzuführen.

Kannibalismus

Wenn man von der Ernährung des Menschen im Innern Kameruns spricht, darf man den Kannibalismus nicht vergessen. Entsprungen aus dem Hunger nach Fleisch, ist er zu einer Gewohnheit geworden, die besonders in den früheren Kriegszeiten leicht befriedigt werden konnte. Viele stammesfremde Ge­fallene oder Kriegsgefangene wurden einfach aufgefressen. Jeder Stamm des Ost-Mbamlandes sagt vom andern, daß er Menschen fräße, und von Angehörigen fast aller Stämme haben wir nach einigem Zögern das Geständnis ge­hört, daß seine Volksgenossenin früheren Zeiten dem Kannibalismus gehul­digt hätten. Auch in der Literatur finden sich öfter Hinweise darauf . 2

1 Aus Kamerun kenne ich nur von den Bakosi des Manenguba-Hochlandes eine Art roher Bestecke.

2 Dominik. Vom Atlantik zum Tschadsee. S. 62.