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einige hundert Bewohner. Dagegen gibt es zahlreiche Ortschaften mit 20—100 Köpfen. In der Inselberg^ndschaft des nordwestlichen Tikar, am Westfuß der Ndomme und bei ihrer Überquerung haben wir noch Gebiete betreten, in denen vorher kein Weißer war und deren Einwohnerschaft von ihren Oberhäuptlingen ängstlich vor der Regierung geheim gehalten wurde; nach den dortigen Verhältnissen darf man sich daher ein Bild von der ursprünglichen Siedelungsdichte machen. Wir fanden auf fruchtbarem Waldboden in Abständen von durchschnittlich 10 zu 10 km rings über das waldreiche Land zerstreut zahlreiche Ortschaften von 20—100 Einwohnern, die durch ein Netz schmaler, aber deutlich ausgetretener Pfade mit einander verbunden waren. Auch östlich von Joko fanden wir dieselben Verhältnisse, wo es den Leuten noch gelungen war, dem Drängen der Regierung nach Ansiedelung an den großen Straßen auszuweichen.
Durch den von der Regierung ausgeübten Druck ist die natürliche Dichte der Besiedelung jetzt ganz verschoben. An den großen Straßen vom Mbam über Ngambe, Jakong und Joko nach Ndumba zum Sanaga liegen die Dörfer dicht bei einander, meist nur 2—3 km von einander entfernt 1 , stellenweise sogar noch dichter. An den nicht ausgebauten, aber beaufsichtigten Straßen Joko-Tibati, Ngambe-Ditam-Ndumba und Ndumba-Linde-Joko liegen durchschnittlich nach jedem 5. km Dörfer. Dafür aber sind ausgedehnte Flächen ganz entvölkert worden, die Fläche der Ndomme, die Wute-Ebene innerhalb des Straßendreiecks Joko- Ndumba-Linde, die weite Djerem-Bucht zwischen dem östlichen Ndomme-Rand und dem Djerem sind heute so gut wie unbewohnt. Da der Druck der Regierung anhält, ist eine weitere ungünstige Verschiebung in dieser Richtung vorauszusehen.
Die Zahl der Bevölkerung
Zuverlässige Angaben über die Bevölkerungszahl und über die Bevölkerungsbewegung in einem unkultivierten Naturlande sind nicht zu erlangen. Die Methoden der Zählung, die auf europäische Verhältnisse passen, sind dort undurchführbar. Der passive Widerstand, den die Eingeborenen aus Mißtrauen den Zählungen entgegensetzen, ist einstweilen nicht zu überwinden; man muß stets damit rechnen, daß sie falsche Angaben machen, daß noch zahlreiche Dorf- schaften versteckt ,,im Busch“ liegen und so der Zählung entgehen, wie die von uns zum ersten Mal betretenen Dörfer im Inselberggebiet Nord-Tikars oder im Wuteland am Baschu, kaum 1—2 Tagemärsche weit von der Station Joko. Schließlich sind die von den Regierungsstationen mit der Zählung beauftragten eingeborenen Schreiber oft sehr unzuverlässig und häufig bestechlich, bei ihrer Halbbildung nicht weiter erstaunlich. Auf der Regierungsstation Joko wurden uns die Zähllisten zur Verfügung gestellt, die in den letzten Jahren im Bezirk angelegt waren und mit dem September 1912 abschlossen. Leider sind bei den Aufnahmen meist an Stelle der Ortschaftsnamen nur die Namen der Häuptlinge aufgeführt, eine Unsitte, die die Regierung vom Neger übernommen hat, trotzdem
1 Vergl. Jahresbericht 1909—10. S. 85.