Teil eines Werkes 
T. 2 (1916) Anthropogeographie des Ost-Mbamlandes
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gewesen, sonst war das weite Land sehr arm an Siedelungen. Sobald die dauernden Kämpfe aufhörten, verbreiteten sich mittelgroße Ortschaften wieder mehr über das Land, besonders in der Wute-Ebene 1 .

In den Teilen des Ost-Mbamlandes, in denen zur Zeit der endgültigen Besitz­ergreifung noch erbittert zwischen zwei starken Völkern gekämpft wurde, also überall in Tikar, fand man sehr ausgedehnte befestigte Ortschaften, die in ihrem Weichbild weite Ackerflächen bargen, um die Bewohner bei Belagerung vor dem schlimmsten Hunger zu schützen. Die vielen kleinen Ackerdörfer im Umkreis fehlten ganz; selten nur fand man sie in einem entlegenen Versteck. Aber kaum waren die drohenden Feinde aus dem Land vertrieben, machte sich sofort ein Bestreben nach Dezentralisation bemerkbar 2 , und heute liegen wieder die Acker­dörfer um die größeren Tikarorte und viele einzelne mittlere Ortschaften über das ganze Tikarland verstreut. Der Wunsch der Kegierung nach Besiedelung der Hauptstraßen trägt auch zu dieser Dezentralisierung bei.

Die Anhäufung vieler Menschen in wenigen großen Ortschaften ist im Ost- Mbamland also nur durch kriegerische Ereignisse bedingt. In friedlichen Zeiten neigt der Neger hier zur Anlage mittlerer Ortschaften: die der Häupt­linge einige hundert Einwohner stark, sodaß noch Ackerdörfer im Umkreis not­wendig werden, die der Unterhäuptlinge oder Großleute mit 30100 Menschen, die selber das zur Nahrung notwendige in der Nähe ihrer Wohnstätten bauen können.

Größe und Dichte der Siedelungen

Aus dem eben Ausgeführten folgt, daß Größe und Dichte der Siedelungen im Ost-Mbamland, wie in andern Gebieten Kameruns 3 , in Folge der politischen Verhältnisse sehr gewechselt haben. Ortschaften von 8001500 Hütten, in denen 30006000 Menschen leben 4 , gibt es heute nicht mehr. Von dem großen Ort Sanserni, dem Kriegslager der Fullah vor Ngambe, in dem 10 000 Ein­wohner gelebt haben sollen 5 , steht heute nicht ein Haus mehr. Und der Reisende, der die Regierungsstraße verläßt, findet häufig Reste verfallener Dörfer; selbst wo keine Häuserruinen mehr stehen, kann er an den im Gestrüpp weiter wuchernden verwilderten Bananen und an den nur vom Eingeweihten auffind­baren Grabstätten 6 die Lage alter Siedelungen feststellen.

Die größten Orte des Ost-Mbamlandes, Tibati und Ngambe, zählen heute noch nicht 2000 Einwohner. Die Sitze der andern großen Häuptlinge haben

1 Dominik. Kol. Bl. 1902. S. 310.

2 Ebenda S. 311.

8 v. Bülow und Glauning. Mitt. aus den deutschen Schutzgeb. 1903. S. 247.

1 Stetten, Kol. Bl. 1895, S. 111 und Dominik, Sechs Kriegs- und Friedensjahre, S. 261.

6 Stetten. Ebenda S. 137.

6 Die Gräber hegen im Dorf, jedes Grab wird durch einen starken Feldstein und einen sehr hart gebrannten Tontopf mit verziertem Rand bezeichnet. Sind die Hütten längst verschwunden, sind doch die verzierten Tonscherben noch erhalten. Sie dienen dem Neger selber zum Auffinden alter Grabstätten.