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T. 2 (1916) Anthropogeographie des Ost-Mbamlandes
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Von den turmartigen Schatzkammern mit feuerfester Decke aus ge­stampftem Lehm in Tibati und Ngambe, von denen Dominik 1 und Stetten 2 berichten, haben wir nichts mehr gesehen. Die einzigen massiven Lehmbauten, die wir in Tibati noch vorfanden, waren die Mauern um das Haus des Lamido (Tafel 12, Abbildung 1) und um die Moschee; von den einst so berühmten festen Tortürmen dieser Stadt standen nur noch klägliche Trümmer. Diese Lehmbauten mit festen Decken sind Erinnerungen an die Bauweise in den früheren Wohn­sitzen der Eullah, in den befestigten Städten des holzarmen Sudan; in Garua, in Kusseri 3 oder in Dikoa, also in Stammländern von Fullah und Kanuri, herrscht die reine Lehmarchitektur des Sudan, ebenso bei den Tamberma im nörd­lichen Togo 4 . Die Moscheen in Tibati und Joko sind rechteckige Bauten aus Holz und Lehm mit hohem, beinahe spitzem Firstdach. Viele Holzpfosten stützen das Dach von innen und wirken wie dünne Säulen. Auf dem mit weißem Sand be­streuten Boden sitzen die Gläubigen. Selbstverständlich ist die Architektur dieser Bauten so wenig heimisch im Ost-Mbamland wie die Religion, der sie dienen.

Wohndörfer und Ackerdörfer

Selbst in der primitiven Wirtschaft der Bewohner des Ost-Mbamlandes können wir deutlich unterscheiden Ortschaften, in denen Nahrungsmittel gebaut, und solche, in denen sie verzehrt werden, ein ähnlicher Unterschied wie bei uns zwischen Land und Stadt. Es gibt zwar eine große Zahl mittelgroßer Ortschaften, die ihren Nahrungsbedarf in der unmittelbaren Umgebung der Wohn­stätten bauen und alles, was sie selbst bauen, auch selbst verzehren; aber die größeren Häuptlingsorte sind angewiesen auf kleine Ackerdörfer, die in weitem Umkreis liegen, manchmal viele Stunden weit entfernt. Es sind oft gewissermaßen Landsitze von Edelleuten 5 , die zeitweilig dort wohnen, dauernd aber eine größere oder geringere Zahl von arbeitenden Hörigen halten; oder es sind nur Äcker mit einigen primitiven Hütten, die zur Zeit der Saat und der Ernte bewohnt werden, und mit Speichern, in denen die Ernte aufbewahrt wird.

Bei den Herrenvölkern und den von ihnen Unterworfenen häuften sich früher große Menschenmassen in den Wohnsitzen der Oberhäuptlinge und der von ihnen eingesetzten Unterhäuptlinge. Stets mußte eine große Zahl waffenfähiger Männer um sie sein, was wiederum einen riesigen Troß von Weibern und Sklaven bedingte. Zu Morgens 6 , Dominiks 7 und Stettens 8 Zeiten sind die großen, stadtartigen Wüte- und Fullah-Orte von einem Kranz von Ackerdörfern umgeben

1 Dominik. Sechs Kriegs- und Friedensjahre. S. 274/75.

2 Stetten. Kol. Bl. 1895. S. 159 ff.

3 Vergl. Tafel 33,4 in Passarge, Kamerun (Das deutsche Kolonialreich, Bd. I).

4 Preil. Deutsch-französische Waffenbrüderschaft im Hinterland von Togo und Dahome.

S. 134 ff. und Tafeln.

6 Dominik. Sechs Kriegs- und Friedensjahre. S. 273.

8 Morgen a. a. O. S. 87, 100 u. 254.

7 Dominik a. a. O. S. 74, 228 und 274/275.

8 Stetten. Kol. Bl. 1895. S. 112 und S. 137.

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