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T. 2 (1916) Anthropogeographie des Ost-Mbamlandes
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daß ein mittelgroßes Dorf, auf den Njanti sogar mehrere große und kleine Ortschaften oben liegen können und reichlich Raum für Ackerflächen haben.

Eine dritte Art der Schutzsiedelung zeigen die von Morgen 1 und Dominik 2 erwähnten Siedelungen der Tschinga und der Mango-Wute auf kleinen Inseln des Mbam und des Sanaga; eine vierte die in dichten Flußwäldern versteckten, *

ganz kleinen Dörfer der Tikar nördlich des Mbam im Gomtscha-Gebiet und die andrer Stämme weitab vom Weg, deren Felder stundenweit vom Dorf entfernt sind, um nicht die Wohnsitze zu verraten 3 .

Da seit Jahren im Ost-Mbamland zwischen den verschiedenen Völkern Frieden herrscht, hören die verschiedenen Arten der Schutzsiedelung allmählich auf; die kahlen Felsberge sind heute nicht mehr bewohnt, wohl aber liegen noch Dörfer am Fuß des einen oder andern, weil die Leute die Sicherheit einer solchen letzten Zuflucht noch nicht ganz missen mögen. In Tikar liegen auch heute noch einzelne Häuptlingsdörfer auf mittelhohen, ausgedehnten Inselbergen, so die von Bengbeng und Lomonji, während die Zufluchtsstätte Mengpang auf dem hohen Inselberg Njua nicht mehr vorhanden ist. Auch die Schutzsiedelungen auf Flußinseln bestehen heute nicht mehr.

Als Zwingburg und Festung in noch unsichern Grenzgebieten war von den Fullah 4 Joko im Wuteland errichtet, ebenso eine Siedelung auf einem Berg über mehreren großen Wutedörfern zwischen Tibati und Joko 5 , wohl da, wo heute der selbständige Häuptling Sami® wohnt. Die Wüte des Ngila wiederum hatten das starke Dorf Watare 7 im äußersten Westen ihres Gebiets und ein Sperrfort 8

dicht am Sanaga an der von Jaunde kommenden Straße errichtet. Von solchen Zwingburgen und Festungen ist heute nichts mehr zu sehen.

Dorfanlage und Befestigung

Im ganzen Ost-Mbamland bestehen die Siedelungen heute aus einem zu­sammengedrängten Häuserkomplex. Die Hausform ist das Rundhaus mit Kegel­dach. Bei den Wüte ist das Haufendorf typisch, das ohne Plan oder Regel angelegt wird (Tafel 7, Abbildung 1). Um einen offenen Platz von unregel­mäßiger Form liegen die Hütten, auch das Häuptlingsgehöft, in wirrem Durch­einander : Jeder baut sein Haus, wo es ihm gefällt; der Eingang der Hütte ist nach einer beliebigen Seite gerichtet; hie und da findet man kleine Anpflan­zungen zwischen den Hütten. Allmählich werden Pfade festgetreten, aber eine regelrechte Wegführung besteht nicht.

1 Morgen a. a. O. S. 258.

2 Dominik a. a. O. S. 135 und 137 und Kol. Bl. 1897 S. 415.

3 Morgen a. a. O. S. 258; auf meiner ersten Reise haben wir öfter zwischen den Luitpold- Bergen und dem Mbam in solchen Dörfern gelagert, vergl. 1. Teil S. 34.

4 Morgen a. a. O. S. 259.

5 Dominik. Sechs Kriegs- und Friedensjahre. S. 273.

Vgl. 1. Teil S. 68.

7 Dominik. Ebenda S. 228.

8 Dominik. Ebenda S. 172.