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Auch die Grenzen zwischen dem Besitz verschiedener Dörfer liegen stets auf der Wasserscheide, weil ihren trocknen Boden niemand als Ackerland beansprucht.
Grenzen sind also nie scharfe Linien, sondern stets Säume oder Streifen, mehr oder weniger breit und fast stets tot.
Die sehr breite, unbewohnte Grenze zwischen den Tikarstaaten und dem Lamidat Tibati, die fast das ganze Dreieck Njua-Labarä-Djote einnimmt, hat sich sicher erst im Lauf der Fullah-Kriege gebildet, also wohl erst im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Dies große Ödland bietet im waldreichen Quellgebiet des Kim und seiner Nebenbäche sicher ebenso fruchtbaren Ackerboden wie andere Landschaften. Die Tikar haben anscheinend vor den andrängenden Tibati ihre kleinen Ackerdörfer langsam zurück genommen und so mit voller Absicht zwischen sich und ihre Todfeinde diesen unbewohnten und daher schwer passierbaren politischen Schutzstreifen gebracht.
Wo aber in ganz besonders fruchtbarem Gebiet Völker — wenn auch nicht immer ganz friedlich — an einander stoßen, wie Tikar und Wüte am Westfuß der Ndomme im Waldland des Mpem, da durchdringen sie sich gegenseitig, da biegt der politische Grenzsaum 1 bald nach Süden, bald nach Norden aus, da wechseln Tikar und Wüte ähnlich über die Grenze hinüber und herüber, wie Bamum und Tikar am mittleren Mbam:
Politische Verhältnisse
Die Bantustämme der Wute-Ebene haben so wenig wie die im Waldland ein Staatswesen entwickelt. Jedes kleine Dorf war selbständig, jeder Dorfschulze unabhängig und ein „König“; jeder Zusammenhalt fehlte, leicht mußten sie nach einander dem Ansturm eines größeren, geschlossenen Staatswesens unterliegen.
Die Tikar hatten den Staatsbegriff schon höher entwickelt. .Größere Gruppen mit mehreren Häuptlingen schlossen sich unter einem Oberhäuptling zusammen, auch ohne daß sie Not oder Bedrängnis von außen dazu zwang. Die Tikar haben den Schritt von der Zersplitterung in Einzel-Stämme zur Staatenbildung als wichtiges und wertvolles Ereignis ihrer Volksgeschichte gut im Gedächtnis behalten. Der Häuptling von Bamkin machte sich als erster zum Oberhäuptling mehrerer anderer; in Erinnerung an diese politische Tat, die auch andere Tikarstämme den Weg zur Staatenbildung wies und so politisch stärkte, genießt noch heute der Häuptling von Bamkin das größte Ansehen: er ist noch heute ein primus inter pares.
Die Stellung jedes Oberhäuptlings war bis zur Errichtung der deutschen Herrschaft nur auf Gewalt gegründet, daher auch dauernd Änderungen und Verschiebungen der tatsächlichen Machtverhältnisse. Erst die deutsche Verwaltung bestätigte die Vorgefundenen Oberhäuptlinge und schuf so bleibende Zustände.
1 Vgl. 1. Teil S. 50.