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T. 2 (1916) Anthropogeographie des Ost-Mbamlandes
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Die Bewohner des Landes

Das Ost-Mbamland wird nicht von einem Volk bewohnt. Wie das Land in seine beiden Stockwerke, die Wute-Ebene und das Ndomme-Hochland zerfällt, nehmen auch den mehr gebirgigen Norden andre Völkerschaften ein, wie die ebene Fläche im Süden.

Im Nordwesten wohnen, fast geschlossen, die hier seit langer Zeit fest an­sässigen Tikar, im Nordosten und auch im Süden hier über und zwischen Resten einer früheren, nicht einheitlichen Bevölkerung die Wüte, ein Herren- und Eroberer-Volk.

Rassen und Völker

Die ersten Reisenden im Ost-Mbamland, Morgen und Dominik, haben in seiner Südgrenze im Sanaga auch die scharfe Grenze zwischen Bantu- Negern und Sudan-Negern zu sehen geglaubt. Morgen 1 stellt einander gegen­über die körperliche Erscheinung und einige Objekte der materiellen Kultur; den Bantu-Neger schildert er als denrichtigen Negertypus: vorstehende Backen­knochen, aufgeworfene Lippen, platte, lange Füße, lange Oberschenkel, lange Arme, während die Sudan-Negermehr kaukasisch sein sollen, besonders im Norden, wo sie sich reiner erhalten haben. Er weist auf die Verschiedenheit der Nahrung hin:hier Planten, Bananen, Zuckerrohr, Yams und Kassada; dort die Körnerfrüchte Mais und Hirse; die Unterschiede in der Bewaffnung fallen ihm auf, bei den Bantu der Speer als einzige Waffe, bei den Sudanern außer dem Speer auch noch Bogen und Pfeil, Messer und Schild; er betont den Gegensatz zwischen der rechteckigen Hütte bei den Bantu und der Rundhütte mit Kegeldach bei den Sudanern. Auch Dominik 2 hält den Sanaga für die Grenze zwischen Sudan- und Bantu-Völkern; er weist vor allem auf den Unterschied in der Siedelung hin, der ihm in den Weilern und Einzelsiedelungen der Jaunde, in den großen, befestigten Wüte-Städten besonders deutlich ins Auge fällt.

Diese Grenzsetzung ist viel zu scharf. In Wirklichkeit liegt in der Nähe des Sanaga nur der Grenzsaum, in dem die beiden Völkerwellen, die der Wüte (von den Fullah gedrückt) von Norden und die der Fang von Süden 3 , auf einander prallten, und zwar gerade zur Zeit der deutschen Besitzergreifung.

1 Morgen. Durch Kamerun von Süd nach Nord. S. 75/76.

2 Dominik, Sechs Kriegs- und Friedensjahre, S. 68 und Kol. Bl. 1897, S. 416.

3 Jahresbericht 1900/01, S. 37.