Teil eines Werkes 
T. 2 (1916) Anthropogeographie des Ost-Mbamlandes
Entstehung
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kurzem in den Höhlen des felsigen Njanti-Gebirges. In kleinen Dörfern an seinem Fuß sitzen sie jetzt mitten zwischen den andern großen Negern.

Die im Tikarland lebenden Medzan sollen, nach Erzählungen der Ngambeleute, zuerst in der Nähe des Njua in den Wäldern des Kim gesessen haben, dann in die Felshöhlen der West-Ndomme gezogen sein. Heute wohnen sie in der Nähe von Ngambe in einem eigenen kleinen Dorf. Dahin haben sie sich erst in der Zeit der Fullah-Einfälle geflüchtet.

Es ist charakteristisch, daß die beiden Splitter einer wohl ältesten Bevölkerung gerade auf dem unzugänglichsten Insel-Gebirge und in den dichtesten Wäldern des Ost-Mbamlandes Zuflucht gefunden haben.

Im äußersten Nordosten unsres Gebiets, erst nördlich des Mekai, wohnen die Mb um, hauptsächlich in Tibati. Hier, wie in kleinen Dörfern am Meng, wo sie nach Nolte 1 wohnen sollen, bilden sie zwischen einer Wutebevölkerung ein landfremdes Element. Sie haben äußerlich Sitte und Religion der wenigen, ebenfalls landfremden Fu 11a h angenommen und teilen sich mit ihnen in die Herr­schaft über das alte Wuteland der Drum.

Grenzen

Die Völkerkarte des Ost-Mbamlandes zeigt, daß in diesem periodisch trockenen Gebiet selbst große Flüsse nirgends Völkerscheiden bilden, da sie in der Trockenzeit leicht zu Fuß passierbar sind. Nur der Mbam zwischen Bamum im Westen und den Tikarstaaten Ngambe, Bukamba, Ditam im Osten ist eine von beiden Seiten geachtete rein politische Grenze zwischen dem Staat Bamum und den Tikarstaaten. Aber die Bewohner beider Ufer des Mbam sind nach Abstammung und Sprache Tikar.

Größere Bedeutung als Grenze zwischen verschiedenen Völkern kommt steilen Bergmauern zu, wie dem steilen Südrand der Ndomme-Hochfläche. Die unwegsamen, hohen und steilen Inselgebirge, wie Njua, Jessom oder Njanti, sind Rückzugsgebiete schwacher Stämme, von Völkersplittern und Resten einer afrikanischen Urbevölkerung.

Die politischen Grenzen der Stammesgebiete scheinen häufig auf den trocknen, unfruchtbaren Wasserscheiden zu liegen, besonders wo diese sehr breit sind, z. B. zwischen Ditam und den Njanti, zwischen Jakong und Njua, zwischen Njua und Bengbeng.

Große und kleine Bäche sind fast nie Grenzen. Die einzige wirkliche Flußgrenze innerhalb des Ost-Mbamlandes ist der Meke-Bangere, der heute die Südgrenze des Lamidats Tibati bildet, die aber Bicher nicht von den Eingeborenen selber gewählt, sondern von der deutschen Regierung so bestimmt ist. Bildete doch auch zwischen den beiden Wutestaaten von Linde und Ndumba früher das stark versumpfte Überschwemmungsgebiet des Ndjim die Grenze, nicht etwa der Fluß selbst. Das unbebaubare und daher auch unbesiedelbare Sumpfland auf seinen Ufern vertrat die Stelle der trocknen, unfruchtbaren Wasserscheide als Grenze zwischen politischen Gebilden.

1 Kol. Bl. 1900. S. 285.