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mäen erhalten 1 (Tafel 4, Abbildung 1). Auch im Tikargebiet kommen noch Pygmäen oder wenigstens Mischlinge von Negern und Pygmäen vor; auf unsere Bitte hat sie der Missionar Reimer von Ngambe aufgesucht, gemessen und photographiert (Tafel 5, Abbildung 1 und 2). Die Tikar nennen sie „Medzan“. Vielleicht sind sie identisch mit dem Zwergenvolk der „Betsan“, von denen Ko eile 2 berichtet, daß sie nach Erzählung von Sklaven in Freetown (vielleicht Tikar-Leuten ?) in der Nähe des „Liba-Sees“ leben. Dagegen spricht nur, daß „ihre Wohnungen aus der Rinde eines großen Baumes bestehen“, während nach Aussage unserer Tikar die Medzan früher „unter Blättern“ geschlafen haben und heute Hütten in der Art der Tikar, nur viel kleiner, bauen.
Im äußersten Nordosten des Ost-Mbamlandes treffen wir Splitter von Völkern, die sicher nicht hier heimisch, sondern erst ganz kürzlich eingewandert sind. Der Negerstamm der Mbum, dessen Hauptsitz heute die Gegend von Ngaumdere, bildet, ist als sudanisch 3 anzusehen. Sie sind von ganz besonderer Körpergröße, mit schweren, ungeschlachten Gliedern und häßlichen Köpfen, die größten Neger die ich kenne, oft wahre Riesen (Tafel 4, Abbildung 2).
Schließlich finden wir in demselben Gebiet eine ganz dünne Oberschicht von Fullah, die sich jedoch anthropologisch nicht rein erhalten haben 4 . Außer dem Lamido, der reinsten Negertypus 5 zeigt und äußerlich in nichts seine Fullah- Abstammurg verrät, sind vielleicht noch höchstens 20—30 Fullah von mehr oder minder reiner Rasse in Tibati und auf umliegenden Landsitzen ansässig. Von den dort wohnenden Fullah zeigte nur ein einziger die helle, rötliche Haut und das glatte Haar, das den reinen Fullah kennzeichnet. Weiter südlich als Tibati wohnt heute kein Fullah mehr.
Haussa sind nicht dauernd ansässig im Ost-Mbamland, durchziehen aber häufig als Händler das Land, leben hier und da eine Weile in Haussa-Kolonien 6 , um dann weiter zu wandern. Sie werden wohl mit Recht für Mischlinge zwischen Hamiten und Negern gehalten und stammen aus den Haussa-Ländern westlich vom Tschadsee.
Die Geschichte
In der Erinnerung 7 der Völker des Ost-Mbamlandes ist in der Hauptsache nur die letzte Phase ihrer Geschichte vor der deutschen Besitzergreifung wirklich lebendig geblieben, die Phase, die mit dem Einfall der Ful-
1 Vergl. 1. Teil. S. 93 ff.
2 Koelle, Polyglotta Africana, London 1854, S. 11/12; angeführt in „Petermanns Mitteilungen“, 1871, S. 151.
3 Vgl. S. 5.
4 Vgl. Morgen a. a. O. S. 283.
B Vgl. Tafel 39 im 1. Teil.
6 Vgl. 1. Teü S. 80 ff.
7 Bei dem völligen Fehlen jeder Schrift und daher aller Literatur bei den weitaus meisten Völkern des Ost-Mbamlandes waren wir ganz auf die natürlich oft imsichere mündliche Überlieferung angewiesen.