Teil eines Werkes 
T. 2 (1916) Anthropogeographie des Ost-Mbamlandes
Entstehung
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Die Oberflächenformen

Das charakteristischste Oberflächengebilde des Ost-Mbaxnlandes ist die große, an 120 km lange Landstufe der Ndomme, mit der das obere Stockwerk, die Ndomme-Hochfläche, aus der Wute-Ebene emporsteigt. Ob die erste Anlage der Stufe tektonischen Kräften zu verdanken ist, ob wir es hier ursprünglich zu tun hatten mit einer großen Bruchstufe ähnlich denen Ost-Afrikas läßt sich mit unsrer heutigen Landeskenntnis geologisch nicht nachweisen bei der voll­kommenen Übereinstimmung des Gesteins oben und unten. Für eine Auffassung des heutigen Bildes der Oberflächenformen ist schließlich die erste Entstehung unwesentlich. Eine wichtige Tatsache aber steht schon heute fest: der ursprüng­liche Stufenrand hat sehr viel weiter draußen in der heutigen Ebene gelegen, zunächst in der mehr oder minder geraden Linie, in der heute vor der Ndomme- Mauer Eelsberge einzeln oder vergesellschaftet liegen.

Wie eine riesige Felsmauer steht der Ndommerand über der Wute-Ebene, Buchten sind häufig tief eingeschnitten, umrahmt von Vorstufen, deren manche schon losgetrennt ist und freiliegt. Nirgends aber öffnet sich im Hintergrund der Buchten ein breiteres Tal. Der höchste Teil der Landstufe steht in einem Steil- ansteig, ohne jede Vorstufe, etwa 700 m über der Ebene. Fast tischgleich senkt sie sich hier ganz allmählich, aber deutlich zum Gebirgsfuß hin und hat vor dem höchsten Stufenstück ihre tiefste Lage. Der Gewässerreichtum ist gerade hier ganz enorm, die vielen zu Tal stürzenden Bäche haben das Vorland förmlich ausgekolkt und es in sumpfige, mit hellgrünem Gras bestandene Niederungen verwandelt. An andern Stellen tritt oben auf dem Rand wie unten in der Ebene dasselbe grobe granitische oder syenitische Gestein in riesigen Platten und flachen Schalen zu Tage. Diese Schalen wölben sich in der Ebene manchmal noch nicht einen Meter hoch aus dem Laterit empor.

Die für das Klima der gemäßigten Zone so charakteristischen Schotter- und Schuttmassen von Nuß- bis Kopfgröße fehlen ganz: durch mechanische und che­mische Zersetzung werden sie so rasch zerkleinert, wie das im europäischen Klima nie geschieht, von den gewaltigen Schichtfluten der Regenzeit werden sie ebenso rasch fortgeführt und an tieferen Stellen abgelagert. Das Schotter- und Schutt­material bleibt nirgends in großen Schuttkegeln liegen wie in der gemäßigten Zone, und die einmal gebildete Wand wird allmählich in ihrer ganzen Steilheit rückwärts verlegt. Natürlich geschieht das nicht in vollkommen gerader Linie; hie und da greift die Wand Verwitterung rascher ein, es bilden sich Buchten mit dazwischen liegenden vorgeschobenen Bastionen. Diese Bastionen sind dann von drei Seiten der Wanderverwitterung ausgesetzt. Werden sie schließlich, auch durch die Mitarbeit des fließenden Wassers, ganz vom zusammenhängenden, langsam zurückweichenden Steilrand losgetrennt, so zeugen sie als frei stehende Felsberge vom einstigen Verlauf des Steilrandes. Diese Felsberge sind fast vollkommen kahl und vegetationslos.

Zeugen die Felsberge vor dem Ndommerand noch heute deutlich vom ehe­maligen Zusammenhang mit dem Hochland, so läßt sich bei den größeren Insel­bergen und dem Inselgebirge im westlichen Teil des Ost-Mbamlandes eine solche