Teil eines Werkes 
T. 2 (1916) Anthropogeographie des Ost-Mbamlandes
Entstehung
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Die Natur des Ost-Mbamlandes

Lage und Gliederung

Das Ost-Mbamland umfaßt die Hochländer Inner-Kameruns östlich des Mbam, im großen und ganzen die von Tikar und Wüte bewohnten Landschaften des Joko-Bezirks.

Dieser zwischen den großen Flüssen Mbam und Djerem gelegene Teil des Hochlandes von Mittel-Kamerun wird von flachwelligen Ebenen eingenommen, deren Charakter durch das Überwiegen von Savannen, von Grasfluren mit einzelnen Bäumen und Flußwäldern, bestimmt wird. Das wellige Land hat im Durchschnitt eine Meereshöhe von 600 bis 1000 m. Aus ihm erheben sich Einzel­berge wie Inseln aus dem Grasmeer; oft sind sie vergesellschaftet und bilden dann Inselberglandschaften, wie in Nord-Tikar. Im Südwesten, im Winkel zwischen Mbam und Sanaga steigt auf breitem, steilem Sockel das Inselgebirge der Njanti aus der Wute-Ebene empor.

Diese Ebene reicht vom Sanaga-Tal nordwärts bis an den jäh und unver­mittelt aufragenden Steilrand der Ndomme-Stufe, deren wellige Hochfläche sich weit nach Nordosten, bis gegen Tibati hin, erstreckt und sich dabei ganz allmählich abdacht. Von Osten und Westen greifen die Tieflandsbuchten des Meke und des Kim in die Hochfläche ein.

Die Landschaft zerfällt so in die beiden, großen Stockwerke der Wute- Ebene im Süden, der Ndomme-Hochfläche im Norden. Ihr Stufencharakter tritt im aufgewulsteten Südrand der Ndomme, der gegen die Wute-Ebene Höhen­unterschiede von 300 bis 600 m aufweist, deutlich entgegen.

Der geologische Aufbau

Im Osten des Mbam ist nirgends basaltisches Gestein vorhanden; darin besteht der wichtigste Unterschied in der Gesteinszusammensetzung des Ost- Mbamlandes gegen die Hochländer westlich des Flusses, in denen basaltische Decken und jüngere Vulkane das geologische Bild beherrschen. Das ganze Land zwischen Mbam und Djerem scheint von jüngeren Störungen nicht mehr heimgesucht zu sein; es ist aus kristallinem Gestein aufgebaut, das vielfach von mächtigen Lateritdecken überlagert ist. Auch sie sind unmittelbar durch Ver­witterung des kristallinen Materials entstanden, nicht etwa aus älteren oder jüngeren Sedimenten. Sedimentgesteine fehlen hier ebenso vollständig, wie in den westlichen Hochländern Kameruns.

1 Thorbecke, Hochland von Mittel-Kamerun II.