Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1912) Probleme und Aufgaben
Entstehung
Seite
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praktische Mitarbeit am Missionswerk anfängt, diese Theorie umzu­werfen und eine scheinbar klare Einsicht in ein Problem zu verwandeln. Obwohl unsere Norddeutsche Mission nämlich bisher eine Verquickung von Handel und Mission bewußt abgelehnt hat Christian Rott- mann ist damals bald aus dein Missionsdienste ausgeschieden ist sie jetzt im kleinen Maßstabe prinzipiell gezwungen, sich mit einem kleinen Buchhandel zu befassen. Je weiter nämlich einerseits der Missionierungsprozeß und andererseits der Kolonisationsprozeß im Lande gegangen ist, um so mehr erwacht auf der einen Seite Bildungs­und Lesebedürfnis und auf der andern das Streben, aus solchem Bedürfnis Kapital zu schlagen. Lhina, Indien, Japan werden mit europäischer Literatur in Original und Übersetzung überschwemmt. Unsere Eweer sind so weit, daß sie deutsche Literatur lesen wollen und können. Sollen wir warten, bis ihnen ein »»christlicher Handel Häckels Welträtsel und Zolas Sittenromane anbietet, sollen wir die ganze große Flut seichter, sittenloser oder auch sittlich ernster aber für »»gefestigte Charaktere höchst gefährlicher Romane hinüberleiten lassen nach Togo? Um der Erziehung unserer werdenden Ewekirche willen mußten wir eine Buchhandlung einrichten und mit unserer Mission organisch verbinden, die so lange die Versorgung unseres Volkes mit guter christticher Literatur übernimmt, bis diese Aufgabe von einer einwandfreien Buchhandlung in unserm Sinne erfüllt wird. Die theoretisch so wünschenswerte Trennung von Mission und Händel ist hier praktisch noch undurchführbar, und je mehr man den hier liegenden Probleinen nachgeht, um so schwieriger ist die Lösung zu finden, nicht, ob es möglich, wohl aber ob es ratsam ist, Mission und Handel auf die Dauer völlig zu trennen.

2. Mission und Regierung.

Wie der Handel, so ist auch der Staat von der Mission seinem Wesen nach verschieden. Hier Glaube, da Geburt oder Nationalisierung das Kennzeichen der Zugehörigkeit, hier die Ewig­keit, dort das Diesseits das eigentliche Gebiet der Verwirklichung, hier das internationale Gottesreich, dort das nationale irdische Staatswesen mit seinen zunächst intensiv selbstsüchtigen Zwecken das