Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1912) Probleme und Aufgaben
Entstehung
Seite
157
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VI. Die Mission in ihrer Wechselwirkung zu den andern Aulturinächten im Lande.

Ideale treten nie ungetrübt in die Wirklichkeit. Die gesamte Airchen- und Missionsgeschichte ist eine stete Auseinandersetzung des Christentums mit den Mächten der Welt. Dabei steht es nicht so, daß das Christentum als geistige Macht nur mit Geistesmächten zu tun gehabt hätte. Aller Geist fordert ein reales Gewand, und in der Welt des Realen bleibt der Aampf, bleiben die Aompromisse nicht aus.

Gs ist fast merkwürdig, daß man die Auseinandersetzung, in der sich die evangelische Mission milden kolonisierenden Mächten befunden hat und befindet, an der Norddeutschen Mission gleich­sam wie an einem Musterbeispiel studieren kann. Vier Jahrzehnte hindurch wurde sie von einem Alaune geleitet, Franz Michael Zahn, der all seine Araft daransetzte, seine theoretischen Aonstruktionen vom Ideal evangelischer Missionsarbeit möglichst rein und ungeändert in die Praxis zu übertragen. Aber obwohl Zahn, nächst Warneck wohl der bedeutendste Theoretiker der Mission im vergangenen Jahr­hundert, durch die stete Beziehung auf die Wirklichkeit des Missions­lebens gezwungen war, seine Theorien von allen Überspannungen und Übertreibungen freizuhalten und sich immer den nüchternen Blick eines gewissenhaften Realpolitikers zu erhalten, sind gerade in der Norddeutschen Mission schon zu seinen Lebzeiten und verstärkt unter der Leitung seines Nachfolgers die Wechselbeziehungen zum 6andel, zur Aolonialregierung, zur Aatholischen Mission so auffallend geworden, wie kaum irgendwo sonst, sowohl nach ihrer erfreulichen Beite wie nach der betrüblichen, und heute stehen wir mehr denn je mitten in dieser Auseinandersetzung drin.

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>) Richter, I.