Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1912) Probleme und Aufgaben
Entstehung
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energische Gegenwirkung zur rechten Zeit versäumt wird. Solche Gegenwirkung kann aber nur die Schule leisten, weil sie unaufdring­lich, aber um so nachdrücklicher und nach einem ganz genau durch­dachten Erziehungsplan arbeitet.

Kurz, wie man es auch ansieht, die Schule, die von jeher der Nlission unentbehrlich war, ist heute ihr allerwichtigstes, wirksamstes und dabei trotz seiner auffallenden Erfolge völlig unauffällig arbeitendes Werkzeug.

2. Unser Schulsystem.

Der Ausdruck Schulsystem erscheint angesichts der primi­tiven Verhältnisse, wie sie in einer sich erschließenden Aolonie herrschen müssen, vielleicht reichlich anspruchsvoll. Darf man denn Negerhütten von zweifelhafter Festigkeit, die den Anforderungen moderner Hygiene nur insofern entsprechen, als sie der Luft völlig ungehinderten Zutritt lassen, oder gar ein schnell zusammengefügtes Gerüst von Bambusrohr und Palmwedeln, unter dem die Schüler auf der Erde sitzen müssen, mit dem stolzen Namen Schule belegen? Darf man von Unterricht reden, wo ein Eingeborener eine Schar Unaben und Ukädchen, bei denen von Schulzwang, von regelmäßigem Schulbesuch, von Ordnung und Sauberkeit kein Gedanke ist, mühsam und fast ohne Uenntnis der Pädagogik in die Elemente der Weisheit einführt? Allein wenn auch zuzugeben ist, daß bei solchen Schulen oft der Lehrende in Wahrheit mehr der Lernende ist und hier beinahe alles an einem geordneten Schulbetrieb fehlt, so hebt doch das den einheitlichen Grundgedanken, nach dem auch diese unvoll­kommene Schule, angelegt ist, nicht auf. Nicht die mehr oder minder große Vollkommenheit der Teile, sondern der Grundgedanke des ganzen Organismus macht das System, und deshalb ist's berechtigt, von einem Schulsystem auch in der Norddeutschen Ulission zu reden.

Za, man könnte versucht sein, von zwei verschiedenen Systemen zu sprechen, je nachdem die Schulen im deutschen oder englischen Gebiet liegen, denn hier walten nach Lehrziel, Lehrstoff und Lehrmethode offenbar erhebliche Unterschiede, denen die Darstellung Rechnung tragen muß. Allein diese Verschiedenheit hebt doch die