Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1912) Probleme und Aufgaben
Entstehung
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III. Die Schule.

1. Die Schule das Missionsnrittel unserer Tage.

Bei der letzten Tagung der Kontinentalen Missionskonferenz sagte O. Julius Richter gelegentlich folgendes:Im ersten Missions stadium, ihrer wundervollen Kindheitszeit in den Tagen Zinzendorfs, war die Losung: Gewinnung einzelner Seelen; dann, etwa seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts, ist das Ziel weiter gesteckt: Gründung von Volkskirchen. Dieser Gedanke ist allgemach in das allgemeine Bewußtsein übergegangen und von allen Missionsgesellschaften anerkannt. Aber seit den letzten zehn Jahren sehen wir uns einer neuen Situation gegenüber, die aber- mals eine neue (Orientierung heischt: Es gilt jetzt die sauerteig- artige Durchdringung ungeheurer Volksmassen." *) Es ist wertvoll, diese geschichtliche Grientierung festzuhalten, um zu verstehen, wie unter den Mitteln der Missionsarbeit die Schule in der Gegen wart an die oberste Stelle gerückt ist, und zwar nicht nur nach dem Urteil evangelischer Missionsleute, sondern auch nach dem der Katho­liken. Brachte doch unlängst ein Flugblatt der katholischen Mission in Togo den überaus bezeichnenden Satz:Diese (d. i. die Schule) ist in Togo wie überhaupt an der ganzen Westküste Afrikas das not­wendige Mittel zur Christianisierung des Landes."

Die Mission kann ohne Schule nicht auskommen. Soll der Eindruck der Keidenpredigt nicht verwischt werden, die irgendwo in einem Dorfe stattgefunden hat, so muß an die Stelle gelegentlicher Verkündigung die regelmäßige durch Gottesdienst und Unterricht treten. Damit ist, sobald man an eine berufsmäßige Tätigkeit denkt, die Missionsschule gegeben. Denn es ist unmöglich, daß einige wenige Unterrichtsstunden das Leben eines Menschen ausfüllen sollten, noch dazu, da die Stunden nicht in die Zeit der Arbeit gelegt werden

1) verh. der XII. Uont. Miss.-Aonf., s. I?.