Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1912) Probleme und Aufgaben
Entstehung
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Es ist kein Wunder, daß als Absenker dieser Grundvor­stellungen sich Geisterfurcht, Herenglauben und allerhand Schauer- vorstellungen finden, die den Vorstellungen des deutschen Landvolkes erstaunlich verwandt sind.

Dieser kurze Überblick über die Religion der Eweer, der nur der einen Ergänzung noch bedarf, daß die Religionsübung Kasuistik ist, die den Einzelnen der Umwelt gegenüber schützen und mächtig machen soll, bestätigt es vollends, daß die angeblich harmlose Fröh­lichkeit der Eweer nichts als trügerischer Schein ist. Es läßt sich demnach vermuten, daß der Heidenpredigt manche Sehnsuchtsklänge aus den: Herzen der Hörer, manche verwandte Regungen aus ihrem eigenen Denken entgegenkommen, aber ebenso viel Widerspruch wie Beifall durch sie erweckt werden wird, wo man sie hört.

2. Soziale Bedingtheit der Heidenxredigt.

Eine gründliche Kenntnis der Menschen, denen er die Bot­schaft des Evangeliums, wie sie ihn: aufgetragen ist, ^ vermitteln will, ist das erste und wichtigste Erfordernis für den Missionar, nachdem er sich ihre Sprache, womöglich sogar ihren Dialekt an­geeignet hat; denn Ziel aller Heidenpredigt ist die Gewinnung des einzelnen. Dazu muß aber zweitens eine möglichst gute Kenntnis der Volksstruktur kommen, damit die Heidenpredigt möglichste Durch­schlagskraft gewinne und möglichst viel einzelne zu Ehristen werden und damit zu Gliedern der Kirche, des Reiches Gottes. So ist die Heidenpredigt nach ihren: ersten und ihrem abgeleiteten Ziel sozial bedingt.

Die Kluft, die den Missionar von dem Volke trennt, unter den: er arbeitet, kann man sich nicht groß genug vorstellen. Des­halb muß er nach Brücken suchen, auf denen er seine Anschauungen dem Volk vermitteln kann, und dazu bietet die soziale Stellung der Hörer manch willkommene Handhabe. Sie wird ihn vor Miß­griffen nicht schützen, wird seinen Worten aber größere Verständ­lichkeit verbürgen.

Die Anloer an der Küste sind anderen Charakters als die Avatimeer. Die Schmiede in Akpafu wieder sind grundverschieden

1) A. m. Z. ;8Y5. 2S ff., S8ff.