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Kolonial-Deutsch. Vorschläge einer künftigen deutschen Kolonialsprache in systematisch-grammatikalischer Darst. u. Begr / Von E. Schwörer
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II.

Die Einführung der deutschen Hilfs- und Verkehrssprache wird wohl im Prinzip jedem ernsthaften Kolonialpolitiker als erstrebenswertes Ziel erscheinen und die gegenwärtigen und kommenden Weltereignisse werden wohl diese nationale Forderung nur noch mehr unterstreichen?) Wenn nun aber gegenüber diesem Wunsche bisher die mangelnde Eignung unserer Sprache mit scheinbarem Recht betont wurde und wenn man bisher aus diesem Grunde die deutsche Sprache als Verkehrssprache vernachlässigte und lieber fremde Sprachen wie z. B. Kisuaheli offiziell einführte, so ist diese Auffassung nichts als ein durch Jahrzehnte mitgeschleppter Irrtum. Unsere deutsche Sprache kann so gut wie die englische dem Verkehr mit den Negern dienen. Wie schon in der Einleitung dargetan, genügen einige wenige sprachliche Opfer, um die nicht zu leugnenden Schwierig­keiten aus ein Minimum zu reduzieren und unsere Sprache zu der leichtesten, einfachsten und passendsten aller Kolonialsprachen der Welt zu gestalten.

? Bei aller Betonung dieses allein berechtigten nationalen Stand­punkts darf man auch nicht in das entgegengesetzte Extrem verfallen und die Erlernung der Eingeborenen-Sprachen von vorneherein und grund­sätzlich für alle Fälle ablehnen. Es wird für einzelne Zwecke immer noch genug Veranlassung bestehen, besonders in der Uebergangsperiode, die zahlreichen Sprachen unserer neuen Untertanen gründlich kennenzulernen; u, a. werden nicht nur unsere christlichen Missionen, sondern auch die deutsche Wissenschaft sich mit dieser Materie eingehend zu beschäftigen haben (jedenfalls viel gründlicher als die Franzosen, Belgier und Portugiesen). Der Hauptzweck des K. D. besteht vielmehr darin, das Prinzip eines er­leichterten, entgegenkommenden Deutsch aufzustellen, dieses überall, wo es möglich und zweckmäßig ist, möglichst bald einzuführen und die unwürdige Vorherrschaft fremder Sprachen auf deutschem Gebiet zu brechen. Denn unwürdig ist es und bleibt es, wenn der deutsche Kolonisator nicht wie bei anderen Kolonialvölkern seine eigene Sprache voranstellt, sondern zu einer Negersprache herabsteigt, mögen für diese noch so viele Gründe bisher gesprochen haben. Das Gewicht solcher Gründe wird aber durch die Vor­teile des K. D. sehr wesentlich verringert. Daß dem Durchschnittsdeutschen (der z. B. bei Kisuaheli meist über eine Art vonPidgin-Kisuaheli" nicht hinauskommt) die sehr unerwünschte Rolle des radebrechenden, sprachlich Unbeholfenen und Unterlegenen, statt umgekehrt, zufallen muß, ist ein sicher nicht bedeutungsloser Grund für baldige Einführung des K. D.