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ist auch selbst in der trockenen Jahreszeit an Wasser kein r
Mangel. Auch die großen Steppen, die etwa 15 Proz. unseres £
Besitzes ausmachen (== 142 000 qkm), sind für Viehzucht in i
größerem Umfange (26 400 qkm) 10 ) als geeignet anzusehen und 1
berechtigen zu Hoffnungen für die Zukunft. f
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Viehkrankheiten.
Ein großes Hindernis für die gedeihliche Entwicklung der ^
Viehzucht bilden leider die im Lande herrschenden Viehseuchen, ^
die in manchen Gebieten die Rinderhaltung außerordentlich er- ^
schweren, wenn nicht gar überhaupt ausschließen. Besonders 2
die Viehzucht an der Küste hat unter diesem Übel ungemein j
zu leiden, sie weist eine hohe Sterblichkeitsziffer auf und ist A
trotz aller Bemühungen seitens der Regierung nicht viel vor- c
wärtsgekommen. Über den Charakter dieser Sterbe war man c
bis vor kurzer Zeit im unklaren. Man wußte nicht, ob man es r
mit einer oder mehreren Krankheiten zu tun hatte und ob sie [
an der Küste heimisch seien oder durch vom Inneren heran- c
getriebenes Vieh eingeschleppt würden. Koch gelang es, durch c
seine Untersuchungen festzustellen, daß es zwei verschiedene j
Krankheiten sind, welche jene großen Verluste an der Küste j
hervorrufen, nämlich das Texasfieber und die Surra (h) oder j
Tsetsekrankheit. 11 ) Durch mikroskopische Untersuchung des j
Blutes der erkrankten Tiere fand sich, daß diese Seuche durch j
einen Parasiten bedingt wird, der im Blute der Tiere lebt. Die Übertragung der Krankheitsstoffe von einem Tier zum anderen j. geschieht durch eine stechende Insektenart. j
Die Verbreitung der Surra ist im Schutzgebiet eine ziem- ^
lieh ausgedehnte, und die Krankheit wird jetzt doch ernster auf- g
gefaßt, als dies zum Teil früher geschah. Denn leider hat man (
festgestellt, daß auf allen bislang untersuchten Straßen an ge- j
wissen Stellen sich die infizierenden Insekten das ganze Jahr -]
hindurch aufhalten. 12 ) An der Küste selbst ist die Surra nicht [
endemisch, wird aber durch aus dem Innern zugetriebenes Vieh ^
dahin verschleppt. Die Meinungen über die Hauptaufenthaltsorte der Tsetse sind noch nicht geklärt und widersprechen sich sogar zum Teil. Nach der einen Ansicht sind besonders Fluß- 1
10 ) Zahlen nach Peters, Das Deutsch-Ostafrikanische Schutzgebiet, S. 379. u ) Vergleiche hierzu: Tropenpflanzer, II. Jahrgang, lieft 2, S. 63.
12 ) Denkschrift 1899/1900, S. 95.
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