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telligenzen" eine recht eifrige Mitwirkung am Gemeindeleben tunlichst zu erleichtern.
Eine weitere äußerst wichtige Maßnahme zur Förderung der Ansiedler ist in dem allervollkommensten
Ausbau des Genossenschaftswesens
Zu suchen. Wenn die dahin zielenden Maßnahmen der Ansiedlungs- kommission in Posen seinerzeit große Anfeindungen erfuhren, so konnte man diesen eine gewisse Berechtigung nicht ganz absprechen, da durch das gemeinsame Ein- und Verkaufswesen der Ansiedler mancher deutsche Kaufmann, Händler und auch Handwerker zweifellos mehr oder minder schwer geschädigt wurde. Für unsere Neuländer fallen derartige Besorgnisse weg; dort gibt es so gut wie gar keine Deutsche in diesen Berufsständen mit Ausnahme eines Teiles der Ostseeprovinzen, wo vielleicht auch eine andere Regelung Platz zu greifen haben würde. Hiervon abgesehen würde von dem lückenlosen Ausbau des Genossenschaftswesens neben den Russen und Polen in erster Linie die Masse der Juden Nachteile haben.
Das mag für die Betreffenden schmerzlich sein und sie zur Abwanderung drängen, ist aber für unser Volk und Land ein Ziel, aufs innigste zu wünschen. Dieser Anschauung werden sich auch unsere israelitischen Mitbürger nicht verschließen können, da ein derartiges Vorgehen die großen Schwierigkeiten der
Judenfrage
in unseren östlichen Neulanden erheblich vermindern wird. Es kann doch wohl keinem in den Sinn kommen, die fast eine Million russisch-polnischer Juden, die uns zufallen werden, über Alt-Deutschland herfallen zu lassen. Auch unsere rund 600 000 jüdischen Mitbürger wünschen sich diesen „Zuwachs" durchaus nicht, da er zweifellos den Antisemitismus in wenig erwünschter Schärfe neu aufleben lassen würde. Soweit es also nicht gelingt, sie etwa zum Teil nach Rußland oder Palästina abzugeben, müssen sie zunächst im Neuland bleiben.
Hier haben sie im wesentlichen vom Handwerk und vom Handel mit den russischen Bauern gelebt. Ersetzen wir nun die russischen Bauern durch deutsche und organisieren deren Umsatz in Ein- und Verkauf möglichst lückenlos genossenschaftlich, so wird dadurch einem großen Teile der Juden ihre bisherige Erwerbsquelle zu Nutz und Frommen der auf diese Weise vor der Bewucherung geschützten Ansiedler und des Landes verschlossen; sie müssen auswandern in Länder, die noch nicht so reich mit ihnen gesegnet sind.
Gewiß wird ein derart vollkommenes Genossenschaftswesen zunächst die Entwicklung der Städte hintanhalten. Das ist aber kein Unglück;