Druckschrift 
Schnelle Besiedlung unserer neuen Ostmarken / von Ekkehard Ostmann [alias Stumpf]
Entstehung
Seite
42
Einzelbild herunterladen
 

42

Bei der

Bewertung des Grundbesitzes der Siedler

dürften im allgemeinen annähernd die Preise zugrunde zu legen sein, die in der Ortschaft oder Nachbarschaft im Durchschnitt der letzten drei Jahre vor dem Kriege gezahlt worden sind. Das bedeutet für die deutsch-russischen Rückwanderer, deren Grundstücke auch künftig bei Ruß­land verbleiben, einen großen Vorteil, da der Grundbesitz in Rußland nach dem Kriege im Werte zurückgehen dürfte. Diese Vorteilszuwendung dürfte sich empfehlen, um den Rückwanderern den Verkauf ihrer heimat­lichen Grundstücke leichter und schmackhafter zu machen. Auch für die nach Rußland zurückkehrenden Besitzer bedeutet diese Bewertung insofern einen Vorteil, als sie den früheren vollen Wert ihres Besitzes vergütet erhalten und dadurch in der Lage sind, von dem entwerteten russischen Boden mehr oder besseres Land zu erwerben, als sie früher besaßen.

Das Vorgehen bei der Bewertung der Grundstücke kann natür­lich nicht erfolgen nach den peinlichen Vorschriften etwa der Umlegungs-, Nentenguts- oder Landschaftstaxen. Es muß und kann viel kürzer und summarischer sein, zumal da ja in Rußland auch die Wertsunterschiede der Wirtschaften wie die Werte an sich bei weitem nicht so groß sind, als bei uns mit unseren hochentwickelten und stark differenzierten Betrieben.

Die Bewertung einer Dorfschaft von 10001200 Hektar muß in 23 Tagen vollständig erledigt sein. Für die deutschen Dörfer mit ihren wertvollen Höfen wird diese Zeit vielleicht etwas knapp sein, für die nicht- deutschen mit ihren meist minderwertigen Baulichkeiten wird sie dagegen wohl nicht voll benötigt werden.

Auch ist zu beachten, daß es sich hierbei noch um eine Art von Kriegs­maßnahmen handelt, bei denen es, wie wir nur zu häufig sehen, auf so ge­naue Bemessung gar nicht ankommt und meist auch gar nicht an­kommen kann, da die mit der Erreichung des Zieles verbundenen Kosten gegenüber diesem selbst vielfach mit Recht mehr oder weniger in den Hintergrund treten müssen. So ist's auch hier. Es spielt dabei gar keine Rolle, ob für ein Grundstück, das nachgenauester Schätzung" be­kanntlich ein sehr unsicherer Begriff 20 000 M. Wert sein soll, 22 000 oder nur 18 000 M. gezahlt werden. Infolge des Krieges werden so ge­waltige Werte vernichtet und gewonnen, daß derartige Unterschiede um so weniger eine Rolle spielen können, als die Grundstücke in unserem Neu­lande, nach altem Wert berechnet, in jedem Falle sehr preiswert sein werden.

Im übrigen muß man sich doch hüten, die Größe der Aufgabe zu überschätzen. Es ist zu beachten, daß es sich nicht um Grundstücke in Deutschland, sondern in Rußland handelt.