obiger Darlegungen genügen, zumal wenn man berücksichtigt, daß es sich bei der Besiedlung unserer Neuländer um eine noch größere Ausgabe als die Unterbringung jener 1,6 Millionen russischer Rückwanderer handelt. Wir haben zur Siedlung nach dem jetzigen Verfahren auch nicht annähernd genügend Kräfte, können sie auch keinesfalls beschaffen, und müssen deshalb unbedingt nach einem ungleich schnelleren Verfahren Umschau halten. Es müssen kürzere Wege, vereinfachte und schnellere Verfahren ausfindig und gangbar- gemacht werden, wenn nicht an der mangelnden Technik und Leistungsfähigkeit das große Siedlungswerk scheitern soll.
Heranziehung der Siedler zur Siedlungsarbeit.
Der eine, vielleicht der wichtigste Weg ist Wohl der, daß die Ansiedler selb st zur Durchführung des Ansied- lungswerkes in den verschiedensten Richtungen mit herangezogen werden.
Wir können für unsere neue Aufgabe, die nach einer Pause von 500 Jahren gewissermaßen anknüpft an die kolonisatorische Großtat unseres Volkes, an die Besiedlung des deutschen Ostens, aus dem Siedlungsvorgehen unserer Altvorfahren und auch aus dem der deutschrussischen Siedler selbst viel lernen, insbesondere hinsichtlich der eigentlichen technischen Durchführung. Diese mußte damals im wesentlichen durch einen der Siedler selbst ausgeführt werden, den I^oaator oder Lcultetus. Die Durchführung der Ansiedlung durch den Lcultetus (den späteren „Schulzen") war für die alte Siedlung der üblichste Weg, wenn sie sich z. T. auch noch auf andere, hier nicht interessierende Weise vollzog.
Wie war nun der übliche Hergang z. B. in Schlesien?
Der Landesfürst (etwa ein Piastenherzog), ein Kloster oder ein Großer des Landes wollte einen Teil seines Besitzes, in Dorfgemarkungsgröße, besiedelt haben, sei es nach Verdrängung der Slawen oder unter Rodung der Fläche. Er suchte nun entweder einen schon in der Nachbarschaft sitzenden tüchtigen Ansiedler oder aber — soweit es sich um aus Westdeutschland eingewanderte Mönche oder Ritter handelte — einen tüchtigen Ansiedlungslustigen der alten Heimat in Thüringen, Schwaben, Franken usw., der geeignet und bereit war, die künftige Gemarkung mit einer bestimmten Anzahl deutscher Ansiedler zu besetzen. Die Beschaffung und Ansetzung der Ansiedler, kurz und gut, die ganze technische