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Schantung und seine Eingangspforte Kiautschou : mit 3 grossen Karten ausser Text (1 topographische und 1 geologische Karte der Provinz Schantung, 1Karte des nordöstlichen China), 3 kleinen Karten im Text und 9 Lichtdrucktafeln / von Ferdinand von Richthofen
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Kap. V. Von Tsinanfu nach Tschifu.

brachte. Zur Verbesserung der Verkehrsmittel zeigten sie sich nicht geneigt, insoweit sie selbst etwas dafür thun müssten; ihrer Einführung durch Andere waren sie nicht abgeneigt. Sie würden sich an Europäer und europäische Unternehmungen bald gewöhnen. Ich habe auch nach langen weiteren Reisen den Eindruck be­halten, dass nirgends in China die Bevölkerung mit grösserer Bereitwilligkeit Elemente der europäischen wirthschaftlichen Kultur aufnehmen würde.

Von Poschan-hsien nach Wei-hsien.

Am 19. April verliess ich Poschan. Eine Tagesfahrt brachte mich an die Hauptstrasse zurück, die ich bei dem grossen Dori Tschangtien erreichte. Erst ging es am Fuss der Kohlenhügel, deren ich bereits gedachte, entlang nach Tschitschwan-hsien, wo man das einförmige, fruchtbare, ebene Land erreicht. Die Stadt ist von geringerer Bedeutung, als der weiter nördlich gelegene Marktflecken Tschöutsun-tschönn, welcher der wichtigste Handels­platz im ganzen Poschan - Becken sein soll. Ungeheure Staub­massen erfüllten die Luft und raubten fast jegliche Aussicht.

Von Tschangtien ostwärts kam ich durch ein kleines Dort, dessen Bewohner sich mit dem Verschieden marmorartiger Steine zu kleinen Gegenständen verschiedener Art beschäftigen. Es sind buntfarbige, meist braun und roth, oder gelblich und weiss ge­fleckte Kalksteine, die einen breccienartigen, sehr eigenthümlichen Charakter tragen und in den obersten Schichten der sinischen Formation eine weite Verbreitung im nördlichen China haben. In grösster Menge verfertigt man kleine Kugeln von drei bis vier Centimeter Durchmesser, mit denen es eine besondere Be- wandtniss hat. Wie nämlich der Amerikaner der westlichen Staaten das Bedürfniss hat, bei der Unterhaltung, besonders wenn sie geschäftliche Angelegenheiten betrifft, mit einem Taschen­messer an kleinen Stückchen Holz zu schnitzen, so empfindet der Chinese das Verlangen, bei der gleichen Gelegenheit seine Hände zu beschäftigen. Dazu dienen ihm zwei Kugeln von Metall oder Stein, die er in einer Hand hält und je nach dem Charakter des