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Kap. V. Von Tsinanfu nach Tschifu.
dazu erforderlich seien. Er behauptete, dass 1200 Eimer Wasser in dieser Zeit gehoben würden. Ueber die Tiefe des Schachtes und die Menge der Förderung konnte ich Genaues nicht erfahren. Die Angabe, dass täglich 100 Förderkörbe zu je 300 Pfund (ä 0,6 kg), also insgesammt 18 Tonnen gehoben würden, schien mir nicht ganz sicher zu sein. Das Flötz soll eine Mächtigkeit von 4 Fuss haben. Nach Angabe der Missionare beträgt sie auf ihrer Grube 6 Fuss. Das Kohlenfeld hat nicht unbeträchtliche Ausdehnung und den Vortheil flacher Lagerung. Auch scheint das Schichtensystem frei von Störungen zu sein; ich bedauerte, darüber etwas Bestimmtes nicht feststellen zu können. Nur durch Bohrungen wird sich ermitteln lassen, ob die Verhältnisse so günstig sind, wie ich vermuthe.
Als wir das Haus unserer Beschützer verliessen, stand draussen noch eine ganz erhebliche Volksmenge, die uns auf dem Fuss folgte, wohin wir auch gingen. Die Leute waren harmlos, aber doch durch ihre Anwesenheit so lästig, dass wir uns bald nach unserem Gasthaus zurückzogen und dann nach der grossen Strasse fuhren, die wir bei Tschangkiu-hsien erreichten. Kurz vor diesem Ort tritt noch einmal unter dem Löss in einem kleinen Hügel derselbe graue Sandstein auf, der die Kohle führt; es scheint sich daraus zu ergeben, dass das Kohlenfeld die ganze grosse Bucht im Gebirge einnimmt. Ich werde es weiterhin als Kohlenfeld von Tschankiu bezeichnen.
Besuch von Poschan - hsien.
Mein nächstes Ziel war das wegen seiner Steinkohlengruben bekannte und bereits vor mir von Williamson besuchte Gebiet von Poschan. Zwei Tagereisen von je 90 Li brachten mich dorthin. Auch dieser Ort liegt in einer tiefen Einbuchtung des Gebirges. Die Strasse nach Tschifu setzt quer über die Oeffnung der Bucht hinweg, während ich in diese einzubiegen hatte. Doch musste ich vorher das weit nach Norden ausspringende Tschang- schan-Gebirge umgehen.