Zahlung im Gasthaus.
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ausserdem zu zahlen. Trotz der sehr langen Rechnung und der stets in mehrere Tausende sich versteigenden Zahlen, welche durch die Addition der in Kupferkasch ausgedrückten Einheiten herauskommen, sind doch die Preise sehr billig. Gewöhnlich hat der Wirth mit Jedem, der sein Haus verlässt, einen kleinen Streit, da er immer bei irgendwelchem Gegenstand einen höheren Preis ansetzt, als er zu erhalten erwartet. Der Fremde giebt nicht nur gern die Kleinigkeit mehr, sondern lässt dem Wirth noch ein in dessen Augen beträchtliches Geschenk. Wo aber die Fremden noch nicht näher mit den Eingeborenen in Berührung gekommen sind und man nur gehört hat, dass sie ungemessene Reichthümer besitzen, entsteht das Bestreben, dies auszunutzen, und wo der Zahlensinn so gering ist, wie in Schantung, kennt man oft kein Maass für die Erhöhung der Ansprüche. Statt einer Unze Silber verlangt der Wirth ein Pfund, da er meint, dass für einen Europäer der Unterschied kaum in Betracht komme. Es sollte sich Jeder zur Aufgabe machen, spontan Freigebigkeit zu üben, aber zu weit getriebenen Ueberforderungen niemals nachzugeben. Bei späteren Reisen fand ich, dass man jedem Streit entgehen kann, wenn man die Rechnung am Abend macht, indem man die Preise für alles Einzelne auf Grund der Erfahrung mit reichlicher Bemessung selbst angiebt und vom Wirth aufschreiben lässt; am Morgen wird dann noch Einiges hinzugefügt. Zahlt man diese Rechnung und legt noch einen kleinen Ueberschuss bei, so scheidet man in Frieden und ist noch eines Dankes gewiss. Man ist stets geneigt, zu viel Freigebigkeit walten zu lassen, sollte aber bedenken, dass der Betrag, den man über das Nothwendige hinaus bezahlt, als Minimalnorm für den nächsten Reisenden gebraucht wird. Es ist daher zu empfehlen, besonders mit Rücksicht auf die Missionare, sich in angemessenen Schranken zu halten.
Von Itschoufu bis Tainganfu.
Am 31. März verliess ich Itschoufu und folgte der Strasse gegen Tainganfu. Die Witterung bietet in dieser Jahreszeit manche