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Schantung und seine Eingangspforte Kiautschou : mit 3 grossen Karten ausser Text (1 topographische und 1 geologische Karte der Provinz Schantung, 1Karte des nordöstlichen China), 3 kleinen Karten im Text und 9 Lichtdrucktafeln / von Ferdinand von Richthofen
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Kap. IV. Von Itschoufu bis Tsinanfu.

Wie man in Schantung reist.

In keiner anderen Provinz von China reist man so leicht und behaglich wie in Schantung. Die Bewohner im Allgemeinen sind freundlich und gefällig; selten erfährt man eine Belästigung durch ihr Benehmen. Ein Gegenstand der Neugier wird freilich der Fremde in vielen Theilen von China noch lange bleiben. Es ist natürlich, dass in einem grossen volkreichen Land, in dem man seit den Zeiten des grauen Alterthums, abgesehen von den Tribut­bringern aus umliegenden Reichen, immer nur die eigene Rasse gesehen hat und deren äussere Erscheinung und Tracht für die des Menschen überhaupt hält, ein Ankömmling, der sich in Gesichts­typus, Hautfarbe, Haartracht, Bartwuchs, Kleidung, Sprache und allen Gewohnheiten von dem fest gezeichneten Urbild unterscheidet, die Aufmerksamkeit lebhaft erregt. Die Bewohner haben gehört, dass es seit einiger Zeit an den fernen Küstenplätzen sonderbare Menschen giebt, die von weit her kommen und in Allem von den Söhnen von Han, wie sich die Chinesen gern nach einer in gutem Andenken stehenden Dynastie aus dem Beginn unserer Zeit­rechnung bezeichnen, abweichen. Man hat erfahren, dass sie sich grosse Häuser bauen und viel Geld haben, aber allerlei schlimme Dinge thun, z. B. dass sie drei Fuss in die Erde hineinsehen können, aber nur vermittelst einer Medizin, die sie aus den Augen chinesischer Kinder bereiten. Nun kommen solche fremdartige Wesen leibhaftig an. Alles läuft herbei; jeder möchte sie sehen, womöglich auch einmal befühlen und, wie die Kinder am Affen­käfig, versuchen, wie der Fremde wohl darauf reagirt. Bald ist ein dichter Knäuel von Neugierigen versammelt; und in solchen Gegenden, wo nie ein Fremder gewesen ist, bewegt man sich in einer sich fortdauernd neu gestaltenden, bald sich lockernden, bald sich intensiv verdichtenden Wolke von Zuschauern fort. Sie verlässt uns nicht und dringt bis in das Wirthshaus ein. Das Motiv ist in erster Linie Neugier. Dann erst kommt die Erinnerung an die Unthaten, die man gehört hat, und es beginnt hier und da der RufYangkweitszö 1 * (fremder Teufel). Schliesslich versucht einer verwegen, eine Erbse oder einen kleinen Gegenstand hinter-