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Schantung und seine Eingangspforte Kiautschou : mit 3 grossen Karten ausser Text (1 topographische und 1 geologische Karte der Provinz Schantung, 1Karte des nordöstlichen China), 3 kleinen Karten im Text und 9 Lichtdrucktafeln / von Ferdinand von Richthofen
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Kap. III. Bewohner und Volkswirtschaft.

nicht gesprochen haben. Anordnungen der Provinzialbehörden, grössere Ereignisse in der Reichshauptstadt, wie sie sich nach und nach, meist in sehr veränderter Gestalt, durch das Land ver­breiten, werden auch ihre Rolle spielen. Nirgends verliert der Bauer den ihm eigenen Charakter des Misstrauens und des kon­servativen Beharrens.

Die Dörfer im Norden haben im Allgemeinen einen städtischen Anstrich durch das Zusammendrängen der Häuser, die vielen offenen Kaufläden und die Enge der Gassen. Bei der Rebellion der Nienfei, welche Schantung im Jahr 1867 heimgesucht hatte, wurden sie theils mit einfacher, theils mit doppelter Umwallung umgeben. Es sind dicke Mauern, die meist aus ungebrannten Lehmziegeln gebaut und mit Schiessscharten versehen sind. Sie gewähren den Zugang zum Dorf nur durch enge Thore. Im Süden der Provinz ist die Anordnung lockerer, die Häuser reihen sich zu beiden Seiten einer breiten Dorfstrasse. Einen unfreundlichen Charakter bedingt die Abgeschlossenheit der Privathäuser; ihre Strassenfront ist oft eine Mauer mit enger Pforte; durch sie gelangt man in den Hof, zu dessen Seiten sich die Wohnräume befinden.

Verkehrswege und Verkehrsmittel.

Der Verkehr vollzieht sich in erster Linie auf Fusswegen, die in dichtem Netzwerk das ganze Land durchziehen, auch im Gebirgsland nicht fehlen und wohl grossentheils seit alten Zeiten gebräuchlich gewesen sind. Ein Spaziergang in der Nähe von Tschifu giebt ein Bild davon. Zwischen den terrassirten und wohlgepflegten Feldern ziehen dort die kleinen Pfade in allen Richtungen. Gewöhnlich sieht man sie belebt von Fussgängern und Reitern auf Pferden, Maulthieren und Eseln. Auch Trag­stühle werden verwandt, und gelegentlich sieht man Frauen auf Kühen reiten, für deren Rücken die sanfte Last ein Privileg ist. Wo immer man hinkommt, ist man selten allein. Vom frühen Morgen sind die Leute auf Feld und Strasse. Besonders an Markttagen ziehen sie in Schaaren mit Lasten und Vieh von allen Seiten dem erstrebten Centrum zu.