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Kap. III. Bewohner und Volkswirthschaft.
keine besondere Rolle. Es giebt Fasanen, Wachteln und
Hasen von einer kleinen Art. Auf den Bergen dürfte zur Zeit der Bewaldung manches grössere jagdbare Thier gelebt haben, aber jetzt wird davon nicht viel geblieben sein. Nur
Wölfe sollen, z. B. in den unbewohnten Theilen des Lai-
Gebirges, Vorkommen und sich im Winter in Rudeln zusammen- schaaren. Williamson hat sie selbst gesehen. Er giebt auch
Füchse als vorhanden an. Zahlreich sind, wie in allen wasserreichen Niederungen Chinas, Wildenten und Gänse; auch in den schilfbedeckten Ufergegenden von Kiautschou giebt es deren eine Menge, und in den Schilfdickichten an der Mündung des Hwanghö sollen wilde Schwäne häufig sein.
Wohnhäuser und Dörfer.
Ich habe bereits erwähnt, wie sich bei dem Betreten der Provinz von Süden her die Bauart der Häuser mit einem Schlag zum Besseren ändert. Je weiter nach Norden, desto mehr fällt sie vortheilhaft auf. Die Landleute leben meist in grossen geschlossenen Dörfern, welche in architektonischer Hinsicht ansehnlicher sind, als in manchen Theilen Deutschlands. Es fehlen ihnen nur die rothen Dächer und die Glasfenster, um im Aussehen aus der Ferne einen Vergleich mit den Dörfern in unseren besseren Gegenden auszuhalten. Aber die rothe Farbe bei Bauwerken ist in China für die Tempel Vorbehalten und bei Privatbauten verboten. Es werden daher alle Ziegelsteine blau-grau gebrannt, sowohl diejenigen zum Bauen, wie die flachen und rinnenförmigen Dachziegel, die fast das allgemeine Material zum Decken der Häuser geben. Da auch die weisse Tünche in Schantung meist fehlt, so haben die Dörfer einen etwas düsteren Anstrich. Für den Bau des Grundgerüstes werden vorzugsweise Bruchsteine verwendet, und man kann oft durch das Studium der Häuser die Grundzüge im geologischen Bau einer Gegend kennen lernen. Die Mauern bestehen manchmal ebenfalls aus Stein, häufiger aus gebrannten Ziegeln. Die Beschränkung auf diese Arten von Material beruht in erster Linie auf dem Mangel an Bauholz.