Ethnische Eigenart der Bewohner.
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merklich von anderen Chinesen unterscheiden. Auf dieselben Gründe werden wir es zurückführen dürfen, wenn Lihungtschang seine Armee in den Landstrichen am Hwai zu rekrutiren suchte; denn hier sind grossentheils die Bewohner aus den alten Hwai- Barbaren hervorgegangen, welche ihrer Ueberwindung durch lange Zeit besonders kräftigen Widerstand entgegengesetzt haben; erst in den letzten Zeiten der Tschöu-Dynastie ergaben sie sich gezwungen einem Vasallenfürsten. Sie sind auch heute bekannt durch ihren Unabhängigkeitssinn und gelten ebenso als Räuber, wie als tapfere Krieger, was von ihren Nachbarn in der Provinz Nganhwei keineswegs zutrifft.
Eine Durchmischung innerhalb einer jeden Provinz wird durch die Vorschrift bewirkt, dass Ehen unter denen, welche den gleichen Familiennamen führen, verboten sind. So haben sich Typen herausgebildet. Eine Ausnahme machen solche Provinzen, deren Bewohner in Zeiten allgemeiner Uebervölkerung vernichtet wurden, wie z. B. Sz’-tschwan, das nach der grauenhaften Verwüstung bei der Thronbesteigung der jetzigen Dynastie (1644) fast menschenleer war. Es fand dann ein Zuzug des Ueber- schusses aus verschiedenen Provinzen statt, und daraus entstand dort eine Mischbevölkerung.
Besonderheiten der Bewohner.
Die ethnische Eigenart eines Stammes und die Merkmale seiner Abweichung von anderen Stämmen desselben Volkes sind schwer in Worten wiederzugeben. Auffallend ist bei den Bewohnern von Schantung, wenn man von Süden kommt, die dunkle, gelbgraue bis braungraue Hautfarbe, die sich zwar in den nördlichen Provinzen häufig findet, aber mir hier ein allgemeineres Attribut zu sein schien. Die Leute sind hoch gewachsen, schlank und körperlich gut gebildet. Der Gesichtsschnitt ist männlicher als im Süden; die obere Augenlidfalte hängt weniger herab, und daher geben die Augen in geringerem Grad den Eindruck einer schiefen Stellung. Es findet sich nicht selten Bartwuchs an Kinn und Oberlippe, und im Westen begegnete ich mehrfach einem